A3, A100: Es ist ja nicht so, als hätte man es nicht wissen können…

A3, A100: Es ist ja nicht so, als hätte man es nicht wissen können…

Ich beobachte im Moment sehr genau, was sich rund um das neue Teilstück der A100 in Berlin abspielt. Der Grund dafür ist, dass in meiner Region die A3 massiv ausgebaut werden soll und die Begründung ist, dass perspektivisch deutlich mehr Verkehr erwartet wird:

Die zuletzt erstellten Prognosen für 2030; in Klammern der Vergleich zum derzeitigen Verkehrsaufkommen:

  • A3 AK Oberhausen in Richtung Köln: 130.430 Kraftfahrzeuge (Kfz) pro Werktag (das macht ein Plus von 9,6%)

  • A3 AK Oberhausen in Richtung Arnheim: 73.320 Kfz pro Werktag (das macht ein Plus von 15,5%)

  • A2 AK Oberhausen in Richtung Hannover: 121.200 Kfz pro Werktag (das macht ein Minus von 4%)

  • Rampe Köln – Arnheim: 15.440 Kfz pro Werktag (das macht ein Plus von 0,8%)

  • Rampe Arnheim – Köln: 18.150 Kfz pro Werktag (das macht ein Plus von 57,4%)

Quelle: Autobahn GmbH

Was ich natürlich nicht lese ist, wie man sich bemühen könnte, dem entgegen zu wirken. Indem man konsequent Angebote schafft, Menschen und Güter schneller und besser z. B. mit der Bahn zu befördern. Was ich natürlich auch nicht lese ist, dass man sich konsequent damit beschäftigt, dass wir schon sehr lange eine einfache Wahrheit kennen:

Mehr Autobahn = Mehr Stau

Das klingt nur auf den ersten Blick seltsam. Denn mehr Autobahnen bedeuten in erster Linie:

  • Induzierter Verkehr:
    Wenn neue oder erweiterte Autobahnen gebaut werden, entstehen mehr Kapazitäten für den Verkehr.Das führt dazu, dass mehr Fahrten gemacht werden, die ohne die Kapazitätserweiterung nicht oder nicht mit dem Auto zurückgelegt worden wären.
  • Ausweichverkehr:
    Da die Autobahnen durch den zusätzlichen Verkehr wieder stärker belastet werden, weichen Autofahrer häufig Land- und Gemeindestraßen aus, was dort zu erhöhtem Verkehrsaufkommen und damit zu neuen Engpässen und Staus führt.
  • Verkehrsfluss:
    Eine Überlastung der Autobahnen ist die Hauptursache für Stau. Eine Erhöhung der Kapazität führt nicht zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens, sondern vielmehr zu einer Steigerung des Verkehrswachstums.

Das wiederum führt zu erheblichen Schänden an der Gesundheit  und negativen Umweltauswirkungen.

Und wie gesagt: Das alles ist keine Raketenwissenschaft. Vielmehr wissen wir das alles das schon seit vielen Jahrzehnten. Und das ganze schadet auch noch der Wirtschaft, dem heiligen Gral, den wir anbeten:

Während Milliarden in den Ausbau neuer Straßen fließen, wächst gleichzeitig der volkswirtschaftliche Schaden durch verlorene Zeit, Treibstoff und Emissionen. Der Physiker Michael Schreckenberg hat ihn berechnet: „Ein Stau von vier Kilometer Länge über drei Stunden auf einer zweispurigen Autobahn hat einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 100.000 € zur Folge.“
Quelle: Deutschlandfunk

Und genau das erleben wir gerade auch an der A100 – mit dem Nebeneffekt, dass selbst der ÖPNV in der Stadt wegen des Staus auf der Autbahn kollabiert und…. eine Sperrung der neuen Autobahn gefordert wird.

Der neue A100-Abschnitt zwischen Treptow und Neukölln sorgt weiter für Diskussionen – und dafür, dass Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht planmäßig fahren können. Die Linie M43 fahre „aufgrund eines Staus nicht zwischen Beermannstraße bzw. Elsenstraße/S Treptower Park und Tunnelstraße“, vermeldete die BVG am Mittwochvormittag. (…)

Diesen Forderungen hat sich nun auch der Verkehrsexperte der Berliner SPD-Fraktion, Tino Schopf, angeschlossen. Mit Blick auf das „eingetretene Chaos“ gibt es aus seiner Sicht nur eine Lösung: „Der neue Teilabschnitt muss gesperrt werden, bis ein schlüssiges Verkehrskonzept vorliegt“, sagte er am Mittwoch.

Quelle: Morgenpost

Und alle Politiker, die jetzt so furchtbar überrascht sind: Das wussten sie vorher. Und wenn sie es nicht wussten, haben sie ihren Job nicht richtig gemacht.

Natürlich könnte man jetzt die Hoffnung haben, dass wenigstens daraus etwas gelernt werden wird. Wir wissen aber, dass das nicht passiert. Deutschland ist ein Land, dass immer noch glaubt, dass Autos mit Verbrenner made in Germany die Zukunft sind und das nur freie Fahrt (mit dem Auto) auch freie Bürger bedeutet.

Überlegt mal, wie der ÖPNV aussähe, wenn wir die Milliarden, die in den Ausbau von Autobahnen fließen und die Milliarden z. B. aus dem Dienstwagenprivileg konsequent hier investiert würden. Wie Städte aussehen könnten. Wie grün das Ruhrgebiet werden könnte.

Aber nein. Wir bauen immer weiter Asphaltwüsten auf denen sich dann Blechschlangen bilden. Es ist einfach dermaßen bescheuert….


Wenn Du möchtest, kannst Du hier meinen Newsletter abonnieren:

Die Kommentare sind geschlossen.