Als erstes stirbt die Wahrheit und dann das Internet
Währen im Krieg Israels gegen die Menschen in Gaza wurde der alten Weisheit folgend, dass im Krieg als erstes die Wahrheit stirbt, eine Vielzahl von Journalisten getötet. Eine unabhängige Berichterstattung aus dem Krisen- und Kriegsgebiet gibt es nicht mehr.
Nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist ähnliches zu erwarten. Allerdings zeigt dieser Konflikt schon jetzt eine andere Perspektive auf das, was zukünftig vermehrt Ziel bei kriegerischen Auseinandersetzungen werden dürfte:
Amazon hat inzwischen bestätigt, dass die Störungen bei der Cloud-Tochter AWS auf Drohneneinschläge zurückgehen. Gleich zwei verschiedene Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten seien direkt von Drohnen getroffen worden, teilte der Konzern mit. (Quelle: Heise)
Während wir hier noch jammern, dass Benzin leider teurer wird, zeigen die zerstörten Rechenzentren, wie gefährlich es ist, das Internet an wenige Hyperscaler zu binden. Diese Hyperscaler sind Unternehmen, die in riesigem Ausmaß digitale Dienste anbieten – und damit direkt das eigentliche verteilte und ausfallsichere Modell des Internets auflösen. Geneigte Leserinnen und Leser kennen das als mein Gerede über Digitale Souveränität.
Macht Euch nix vor, in Zukunft werden Konflikte viel stärker auch darauf ausgerichtet sein, die Kommunikationsnetze zu zerstören oder zu unterbrechen. Mobilfunk ist ein beliebtes Ziel, weil es Funktürme braucht und keine in der Erde vergrabenen Datenkabel. Aber auch das Internet ist in Zeiten zunehmender Zentralisierung ein dankbares Ziel: durch das gezielte Ausschalten der großen Dienstleister und der großen Internetknoten kann man nicht nur die Kommunikation massiv erschweren, sondern auch die zivile Infrastruktur lahmlegen.
Überlegt mal, was heute alles von funktionierendem Internet abhängt und wie schnell uns Ausfälle Milliarden Euro und Dollar kosten werden – von Menschenleben ganz abgesehen, wenn wichtige Daten zur Steuerung von notwendiger Infrastruktur oder Gesundheitsdaten von Menschen plötzlich nicht mehr verfügbar sind, weil wir uns auf einzelne Dienstleister und zentrale Internetanbieter verlassen haben.
Wenn der Konflikt im Iran eines zeigt, dann das wir nicht nur unsere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen asap beenden müssen. Sondern das wir auch schauen müssen, dass wir technisch in Zukunft nicht von einigen wenigen Konzernen abhängig sind, deren Fortbestand beinahe untrennbar mit dem Fortbestand der Zivilisation verbunden sein werden. Denn ohne Internet gibt es nicht nur keine Wahrheit mehr in Form von echten Nachrichten. Sondern auch keine funktionierende Gesellschaft mehr.
Was wir brauchen sind redundante und ausfallsichere Systeme, die sich nicht nur auf eine Technik (wie Funk) oder einzelne Knoten wie das De-CIX oder eben einzelne Internetgiganten wie Amazon AWS verlassen. Und das ist keine rein deutsche Aufgabe, hier ist auch Europa gefragt:
Wir brauchen eine europäische Infrastruktur, die krisensicher und unabhängig ist.
Bei den politischen Dinosauriern, die allenfalls darüber von digitaler Überwachung träumen, habe ich allerdings ernsthafte Zweifel, dass sie die Notwendigkeit, geschweige denn die Dringlichkeit, erkennen.
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