Amazon stirbt – vermutlich mit Absicht

Ich glaube, wir erleben gerade das Ende von Amazon – und ich denke, dass Bezos das egal ist.

Seit 1995 bin ich Kunde beim Internetversandhaus Amazon. Zunächst vor allem wegen der Bücher: Nicht nur, dass ich plötzlich rund um die Uhr nach Büchern stöbern konnte, vielmehr waren die schnell und Porto da und nach einer Weile war die Startseite von Amazon sowas wie ein „Want to read“: Ich hätte praktisch jedes Buch bestellen können.

Dann wurde Amazon nach und nach zum Gemischtwarenladen und „plötzlich“ gab es alles mit der gleichen Leichtigkeit. Und das bewährte sich für eine lange Zeit, vor allem, wenn mir mal wieder mitten in der Nacht auf dem Sofa was einfiel.

Ausschnitt aus einer beliebigen Seite von Amazon
Ausschnitt aus einer beliebigen Seite von Amazon

Es blieb aber nicht positiv.

Die negativen Veränderungen begannen auf der Startseite: Dort wird fast nur noch Zeug angezeigt, dass ich entweder habe oder nicht will.

Viel schlimmer ist aber, dass es in letzter Zeit fast unmöglich geworden ist, gute Markenartikel oder hochwertige Güter zu kaufen. Amazon ist sowas wie ein „edles AliExpress“ geworden, so scheint es mir:

Die Suchergebnisse sind geflutet von Klicki-Bunti-Ergebnissen, die manchmal nichts mit dem Gesuchten zu tun haben, oft von zweifelhafter Herrkunft und immer mit überraschend guten Bewertungen sind.

Das darf nicht überraschen: Händler haben einen Trick um auf Amazon gut positioniert zu sein, das sind in den USA registrierte Handelsmarken. Meldet man eine an und belegt das Amazon, wird man in der Suche besser platziert. Die Folge? Lauter „Marken“ die aus eher zufällig aneinander gereihten Buchstaben bestehen. Kein Witz: Sucht mal irgendwelche Artikel, am Besten kleine Massenwaren und schaut mal wie viele Firmen mit unaussprechlichen Namen Ihr angezeigt bekommt.

Dazu kommt der Bewertungsspam: Ich habe auch schon xfach die Frage bekommen, ob ich nicht was kostenlos haben möchte, wenn ich dafür 5 Sterne gebe. Das wird vielen anderen auch so gehen und hey, es ist umsonst. Oder so.

Das führt dazu, dass die wirklich guten Artikel weniger gute Bewertungen haben, rein quantitativ, was sie dann noch weiter hinten erscheinen lässt. Und manch eine Marke wird sich fragen, ob es da überhaupt noch Sinn macht, auf Amazon präsent zu sein?

Ich glaube, dass das möglicherweise der Anfang vom Ende der Marktdominanz von Amazon sein könnte. Das es dem Konzern aber vollkommen egal ist, da das große Geld inzwischen wohl woanders liegt, z. B. bei AWS.

Amazon, der Shop, kann vermutlich auch gar nicht mehr nennenswert wachsen. Und so kann Amazon sich einfach darauf konzentrieren, die Provisionen von zumeist chinesischen Billiganbietern mitzunehmen. Und natürlich die steten Einnahmen aus Amazon Prime und den Schwesterprodukten wie Prime Music oder Audible. Welchen Grund sollte der Konzern da noch haben, neue Funktionen zu platzieren oder die Angebotsqualität zu erhöhen? Millionen kleine Provisionen sind halt immer noch sehr, sehr viel Geld. Und Entwickler sind teuer, die kann man dann halt woanders einsetzen.

Witziger Weise habe ich das sogar im eigenen Verhalten schon deutlich gemerkt, weil ich viel mehr als in den letzten Jahren wieder offline einkaufe. Stundenlang durch Geschäfte schleiche und mich inspirieren lasse. Was ich eigentlich gar nicht so mag, mittlerweile aber dem Suchergebnisspam bei Amazon sogar vorziehe.

Krass.

Und es fing alles mit einem Buch an.

 


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