Arm sein ist teuer…
Arm sein muss man sich leisten können. Klingt merkwürdig, ist aber so
Der leider verstorbene Terry Pratchett hat das mal in der „Boots Theory„
sehr treffend zusammengefasst:
The reason that the rich were so rich, Vimes reasoned, was because they managed to spend less money. Take boots, for example. … A really good pair of leather boots cost fifty dollars. But an affordable pair of boots, which were sort of OK for a season or two and then leaked like hell when the cardboard gave out, cost about ten dollars. … But the thing was that good boots lasted for years and years. A man who could afford fifty dollars had a pair of boots that’d still be keeping his feet dry in ten years‘ time, while a poor man who could only afford cheap boots would have spent a hundred dollars on boots in the same time and would still have wet feet.
This was the Captain Samuel Vimes ‚Boots‘ theory of socio-economic unfairness.
Und tatsächlich begegnet einem das immer wieder – und man kann sich fragen, ob das fair ist. Man muss sich das eigentlich fragen. Und man muss sich auch fragen, was man dagegen eigentlich machen kann und muss.
Mein aktuelles Beispiel ist folgendes:
Ich gehe zum Schwimmen regelmäßig nach Dinslaken ins „Dinamare„. Der Eintritt, für ein „normales“ Schwimmbad ist nicht gerade günstig, vor allem wenn man den Winter nimmt, in dem im Grunde nur das Innenbecken verfügbar ist:
Zwar zahlt man als „Frühschwimmer*in“ oder „Spätschwimmer*in“ nur 2,50€, dafür muss man aber halt auch zwischen 6 und 8 Uhr oder nach 19:30 Uhr vor Ort sein. Wobei um 21:30 Feierabend ist. Das sind jetzt eher nicht „familienfreundliche“ Zeiten.
Möchte man also mit Kind und Kegel über den Tag ins Schwimmbad, muss man eine Tageskarte kaufen. Die früher erhältlichen Karten mit begrenzten Stunden gibt es nicht mehr, nur noch den Alles-oder-Nichts-Tarif.
Zwei Erwachsene, zwei Kinder macht dann 21 Euro. Natürlich ohne Freibad-Pommes. Oder irgendwas anderes. Das gilt aber halt nur, wenn man wenig Geld hat.
Denn wenn man mehr Geld hat, kann man dem Dinamare einen kleinen Kredit gewähren. Holt man nämlich eine „Bezahlkarte“ und lädt 100€ auf, so bekommt man als Zins einen Nachlass von 20%.
Will sagen, die Tageskarte kostet dann nur noch 4,80€ und die ermäßigte Karte nur noch 3,60 Euro. In unserem Beispiel also: 16 Euro und 80 Cent.
Wer es sich also leisten kann, spart für den Familienbesuch 4,20€. Und wenn das nicht unfair denen gegenüber ist, die nicht mal eben 100€ vorlegen können, dann weiß ich auch nicht.
Denn die, die sich das nicht leisten können, sind die, für die die 21€ sehr viel Geld sind. Womit wir bei den Stiefeln aus dem obigen Beispiel wären: Wer es sich leisten kann, spart viel Geld. Oder andersherum:
Arm sein ist teuer.
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Die Titelgrafik wurde mit Adobe Express erstellt.
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