Das Gute im Menschen

Das Gute im Menschen

Ich bin ja jemand der glaubt, dass die beste Medizin gegen Rassismus das Reisen ist. Und bisher ist auch niemandem der Beweis des Gegenteils gelungen.

Darüber musste ich vorige Tage nachdenken:

Ich reise sehr gerne mit dem Motorrad, weil ich das Gefühl habe, mehr als im Auto in der Welt verhaftet zu sein. Die Eindrücke sind direkter, unverfälschter. Du spürst den Wind und die Temperatur, Du spürst den Regen und die Sonne. 

Ein weiterer großer Unterschied ist, dass man nicht einfach hunderte KM über die Autobahnen düst. Man sucht sich Nebenstraßen, Landstraßen, Passstraßen und genießt die Landschaft, statt sie nur zügig vorbeiziehen zu sehen.

Und mit dem Motorrad hält man öfter an. Sei es zum Tanken (die meisten Motorräder haben weniger Reichweite als Autos) oder einfach nur um einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen.

Dabei kommt man dann, anders als auf dem Autobahnrastplatz auch schnell mit den Menschen ins Gespräch. Also im Ausland, in Deutschland sind alle stumm wie Fisch. Es wird das Motorrad angeguckt, es wird das Kennzeichen angeschaut und meist beginnen die Gespräche bei „wo kommst Du her, wo willst Du hin“ und eh man sich versieht ist man irgendwo bei „Fremden“ zum Essen eingeladen.

Dabei habe ich die Feststellung gemacht, auch unabhängig vom Motorrad, dass ich mich eigentlich nirgendwo auf der Welt nicht willkommen gefühlt habe – sieht man mal von den USA ab.

Im Gegengenteil, ich wurde immer mit offenen Armen und viel Neugier empfangen. Das passt auch gut zu den Erfahrungen, die andere Motorradreisende machen, die ich wie z. B. Itchy Boots und Valle on Tour auf Youtube verfolge oder wie Ewan und Charley auf Silberscheibe.  

Wie die genannten, und zahlreiche andere, stelle ich auch immer wieder fest, wie groß die Hilfsbereitschaft ist. Das habe ich schon als Kind auf meiner ersten Solo-Fernreise gemerkt, als statt in Warschau in Krakau aus dem Bus stieg. Oder umgekehrt, weiß nicht mehr so genau 😀

Die Kernbotschaft ist aber, dass man insbesondere wenn man alleine reist und dann offener ansprechbar ist, als z. B. in einem Auto, man unglaublich schnell in Kontakt mit Menschen kommt. Und das man, im Falle eines Falles, eigentlich immer und überall Hilfe angeboten bekommt.

Das wiederum bringt mich zu der Frage, ob das jemand auch sagen würde, der durch Deutschland reist. Meine Wahrnehmung ist, dass wir alles „Fremde“ argwönisch beäugen und lieber auf Distanz bleiben. Was eigentlich schade ist, weil wir damit sowas wie der Grumpy Opa im Herzen Europas wären.

Und vielleicht mögt Ihr ja mal darüber nachdenken, wie Ihr Euch seht. Eher offen und bereit, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Oder das Gegengenteil. Und wenn, warum. 

 

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Ein Gedanke zu „Das Gute im Menschen

  1. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, daß der entscheidende Faktor „Kontakt“ ist. Menschen, mit denen ich in Kontakt trete, gewinnen ein Gesicht, eine Geschichte und werden von etwas Abstraktem zu einem Menschen. Das ist dann nicht mehr der „Syrer“ oder die „Afghanin“, sondern sie werden dadurch zu Herrn Syrer und Frau Afghanin, mit einer Geschichte, Freude, Sorgen, Nöte und Wünschen wie ich auch.

    Mir fällt das immer mehr auf, wenn Menschen über andere Gruppen herziehen und Vorurteile austauschen. Da kommt irgendwann immer die Ausnahme „Aber nicht der X“, der wird dann zum guten Angehörigen der anderen Gruppe. Und gerne als Beispiel dafür herangezogen, wie „gute Integration“ auszusehen hat. Leider begreifen die meisten Menschen den Unterschied zwischen Assimiliation und Integration nicht. Geschweige denn, daß gute Integration neuer Impulse und Kulturen die Basis für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft darstellt. Da feiern sie den Goethe als urdeutschen Dichterfürsten und übersehen dabei geflissentlich, wie „italienisch“ beeinflußt seine Werke waren 🙂

    Und wirklich amüsant wird es für mich, wenn Deutsche anfangen, von der Gastfreundschaft in anderen Ländern zu schwärmen und wie nett die Menschen da sind. Ach, so lange die in ihren Heimatländern bleiben, sind die gastfreundlich und wenn sie hierhin auswandern oder flüchten müssen, dann nicht mehr? Sind wir doch einfach auch mal nett zueinander, egal ob biodeutsch oder nicht. Dann müssten wir nicht um den halben Erdball fliegen für Gastfreundschaft 🙂

    Wenn ich reise, dann möchte ich Land und Leute kennen lernen – gerade, weil die anders sind als ich. Ich finde den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wichtig und ich habe noch nie im Ausland bzw. auf Reisen schlechte Erfahrungen gemacht. Selbst wenn ich die Landessprache nicht spreche, fand sich immer ein Weg – und sei es über Translator-Apps. Allerdings sehe ich mich selber in vielen Dingen auch nicht als typisch deutsch, also in dem Sinne „Ich fahre nach Italien und beschwere mich, weil es keine Schnitzeln mit Bratkartoffeln gibt“. 😉

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