Digitale Souveränität in Zeiten unzuverlässiger Partner
Es wird Zeit, dass wir eines meiner wichtigsten Themen noch mal aufgreifen: Digitale Souveränität.
Anlass dafür ist, dass die USA gerade mal eben ein Staatsoberhaupt entführt haben, unter Einsatz des Militärs, um Öl zu bekommen. Und neben Canada steht ja noch das zu Dänemark gehörende Grönland auf der „will haben“-Liste des US-Präsidenten.
Spätestens jetzt sollten in Unternehmen in Europa die Alarmglocken schrillen, aber auch bei Euch zu Hause. Denn in den meisten Fällen haben die USA ein sehr wirksames Machtmittel: Sie können uns technologisch in die Steinzeit schicken – ohne eine Bombe nutzen zu müssen. Und sie wenden diese Macht bereits an.
(Das ganze Video ist spannend, aber ab Minute 22 geht es darum, wie die USA ihre digitale Macht schamlos ausnutzen – und wie wehrlos man ist, wenn man auf US-Tech setzt)
Wenn die USA das wollen, habt Ihr morgen keinen Zugriff mehr auf Euer Windows oder Apple-OS. Keinen Zugriff mehr auf Eure Daten bei den Clouddienstleistern, gleich ob OneDrive, iCloud, Dropbox oder irgendwas mit AWS.
Aber Ihr könnt Euch schützen und Ihr könnt Euch unabhängig machen. Und Ihr solltet das tun:
Computer
Schaut, dass Ihr von Windows auf Linux umsteigt. Verwendet auf jeden Fall Betriebssysteme, die anders als Microsoft, von Euch nicht verlangen, dass Ihr Euch an einem Online-Account anmeldet. Ubuntu (Linux) zum Beispiel ist kinderleicht zu installieren und lässt sich so einfach nutzen wie Windows.
Gleiches für Eure Bürobearbeitungssoftware: Mit LibreOffice gibt es eine sehr gute Alternative, die unter Linux, Windows und anderen OS läuft. Glaubt mir, Ihr werdet nichts vermissen.
Aber überlegt Euch gut, was an Euren Arbeitsplätzen oder daheim los ist, wenn auf einmal Excel nicht mehr funktioniert.
Cloud
Macht Euch unabhängig von amerikanischen Cloud-Konzerne. Es gibt eine sehr gute freie Alternative , das ist Nextcloud. Zahlreiche Internetunternehmen wie Manitu bieten Euch an, dass bei Ihnen mit einem Klick zu installieren. Inzwischen gibt es sehr gut ausgereifte Backup und Update-Mechanismen, mit denen Ihr Euch quasi um nix mehr kümmern müsst. Damit könnt Ihr von überall auf Daten in der Cloud zugreifen, mit allen Geräten. Nur das es halt Eure Cloud ist, in einem der DSGVO unterliegenden Rechenzentrum und wenn Ihr wollt auch noch verschlüsselt.
Jetzt mag das nicht für jeden was sein. Muss es aber auch nicht: Tut Euch zusammen. Schon das kleinste Paket bei Manitu kommt mit 100GB Speicher. Das könnten 10 Nutzende mit je 10 GB sein oder 20 mit je 5 GB. Teilt Euch die Kosten. Und jeder hat einen Nerd im Bekanntenkreis, der sich um den technischen Kram kümmert.
Trennt Euch schnellstmöglich von amerikanischen Diensten. Wenn es unbedingt Freemailer sein müssen, gibt es die in Europa. Besser aber: macht Eure eigenen E-Mail-Konten. Dafür könnt Ihr Pakete wie das gerade verlinkte Beispiel von Manitu nutzen.
Wichtig aber, egal wo Ihr Eure Mails habt: Fangt endlich an, Eure E-Mails sicherer zu machen. Nutzt Tools wie OpenPGP, um E-Mails digital vor Verfälschung zu schützen (Signaturen) und am Besten direkt zu verschlüsseln. Gute E-Mailprogramme wie Thunderbird oder Canary bringen alles Notwendige dafür mit. Solltet Ihr die nicht einsetzen können, gibt es Komplettpakete wie GPG4Win.
Passwörter
Löst Euch von integrierten Lösungen um Passwörter zu speichern, bei denen Ihr nicht prüfen könnt, ob und wie die mit Euren Daten umgehen. Besser ist es, eigene Alternativen zu nutzen und auch hier kann man sich wieder mit anderen zusammentun und gemeinsame Lösungen nutzen, wie zum Beispiel Vaultwarden, der OpenSource-Variante von Bitwarden.
Streaming
Baut gemeinsame digitale Archive und schaut, dass Ihr die Medien, die Ihr sehen, lesen und hören wollt, auch als lokale Kopie tatsächlich besitzt. Am Besten natürlich auf Datenträgern wie CD, DVD und BlueRay. Nutzt zum Beispiel Jellyfin um ein eigenes kleines Netflix zu bauen.
Der schreckliche Aufwand
Ja, Digitale Souveränität ist mit Aufwand verbunden. Ihr müsst ein neues Betriebssystem kennenlernen und ein neues Office – beides ist aber nicht wild, wirklich jede und jeder kann das.
Onlinedienste wie E-Mail, Nextcloud, Vaultwarden und Co können etwas aufwändiger sein. Aber nochmal: Ihr müsst das doch nicht alleine machen. Schließt Euch in Nachbarschaften und Freundeskreisen zusammen. Sprecht mit Nerds in Eurer Nachbarschaft.
Der einmalige Aufwand ist es auf jeden Fall wert. Ihr seid einfach sehr viel unabhängiger und glaubt mir, wenn das Chaos erst ein Mal da sind, werden Nerds nicht mit Gold zu bezahlen sein, weil dann alle auf einmal eine Alternative brauchen.
Dezentrales
Wenn Ihr Euch gut versteht, könnt Ihr auch darüber sprechen, ob Ihr wechselseitig Daten sichert. Also Person A kann bei Person B Daten sichern und umgekehrt. Das hat auch den charmanten Vorteil, dass wenn bei Euch die Bude unter Wasser steht oder abbrennt, Eure Daten an einem anderen Ort noch mal sicher zu finden sind. Besonders mit FR!TZ-Boxen ist es extrem einfach, Netzwerke unter Vertrauten zu bauen.
Das Wichtigste zum Schluss
Sofern Ihr Windows 11 besitzt: Prüft das Microsoft nicht ohne Euer Wissen Bitlocker aktiviert hat. Falls doch, deaktiviert das. Denn wenn das aktiv ist und Euer Windows nicht mehr will, sind sonst alle Daten auf der Festplatte verloren.
Und bitte: Macht Backups von Daten. USB-Sticks und DVD/Blue-Ray-Rohlinge kosten auf das GB gerechnet nichts mehr. Kauf Euch genug Backup-Medien und nutzt die.
Schafft Euch vielleicht sogar mit ein paar Personen vernünftige NAS-Geräte an. Jeder eines, das für die eigenen Daten, aber auch als Notfall-Backup für die Daten der Freunde fungiert.
Bitte, bitte fangt an, Euch Gedanken zu machen. Ihr seid in den meisten Fällen bis über beide Ohren an amerikanische Konzerne gebunden und so schlimm ich es auch finde, das tippen zu müssen: Die USA sind unter Trump kein verlässlicher Partner.
Und wenn Ihr unerwartet wirklich niemanden habt, den Ihr fragen könnt, fragt mich. Dafür sind hier die Kommentare da. Mail geht auch.
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