Digitale Überwachung – aber denkt doch an die Kinder!!!!

Als ich gestern über das Problem mit den Computern schrieb, viel mir noch etwas anderes ein, über das ich mit Euch reden wollte: Digitale Überwachung in einem nie gekannten Maß.

Der neuste heiße Scheiss ist ja die „biometrische Alterskontrolle“. Das Ganze nimmt besonders im Ausland gerade wie wild Fahrt auf. Die Idee ist, dass Ihr Euch bei Online-Diensten vor die Kamera setzen müsst und eine KI entscheidet, ob Ihr alt genug seid, den Internet-Dienst zu nutzen. Spätestens mit „Discord“ ist das Thema auch voll bei uns angekommen. 

Dabei machen natürlich nicht die Online-Dienste die Ihr besucht die Kontrolle, sondern darauf spezialisierte Firmen. Die uns natürlich alle versprechen, sorgsam mit unseren Daten umzugehen. 

Dumm nur, dass gerade bei Discord raus kam, dass Peter Thiel hinter der KI-Erkennung steckt. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass man aktuell um Schadensbegrenzung bemüht erklärt, sich davon zu distanzieren.

Und es gibt niemandem, dem Ihr Eure Daten weniger anvertrauen solltet. Und warum will man das eigentlich überhaupt? Unter anderem um viel Geld damit zu machen: Überlegt mal wie geil das für die Werbe- und Überwachungsindustrie ist, wenn man jetzt nicht nur sieht, anhand der IP-Adresse, wo Ihr ungefähr herkommt. Sondern auch wie alt Ihr seid, welches Geschlecht Ihr vermutlich habt, welche Hautfarbe Ihr habt. Wie genau man Eure Profile maß-schneidern kann um Euch Dinge zu verkaufen oder auch um Euch zu verfolgen. Denn wenn Ihr heute auf zwei Websites Konten habt, ist es relativ aufwändig, die zusammen zu führen. Wenn man das aber über einen externen Dienstleister macht…

Natürlich ist das alles nur dazu da, die armen Kinder zu schützen…

… und vor schwerster Kriminalität. Und wie oft haben wir diese Lüge jetzt schon gehört und warum glauben wir Politikern das eigentlich immer wieder und immer noch? In Wahrheit ist alles, was dahinter steckt, eine handfeste wirtschaftliche Interessenlage und Politik ist im besten Fall zu doof das zu sehen und im schlimmsten Fall sich dessen sehr bewusst.

Dazu passt auch die Forderung, dass man das Deutschland-Ticket mit einem Foto versehen soll. Weil das mehr Sicherheit bringt. Angeblich. Denn schon heute ist es nur in Verbindung mit einem Lichtbildausweis gültig. Wer sowas fordert hat im besten Fall auch nicht verstanden, dass die meisten Menschen heute die Tickets in der App haben. Im schlimmsten Fall aber will er jemanden fördern, der dann mit dem Identifizieren für das digitale Ticket viel Geld verdient. Erst durch Euch für den Service und dann mit Euren Daten. Mit Sicherheit hat das nichts zu tun.

Die Forderung kommt aber erstaunlicherweise nicht nur von den Konservativen:

Die SPD will Personalausweis-Pflicht für soziale Medien. Für Alle, auch Erwachsene. Soziale Medien definiert sie nicht, vielleicht meint sie damit auch YouTube, Mastodon und WhatsApp. Anbieter, die sich nicht daran halten, sollen per Netz-Sperren zensiert werden. www.spdfraktion.de/system/files…

Andre Meister (@andre.netzpolitik.org) 2026-02-16T14:43:48.149Z

Das einzige, was wirklich helfen würde, wäre ein vernünftig designtes „EU Wallet„, das vor allem Datenschutz-geleitet entwickelt werden müsste. So das Ihr die Kontrolle habt, wer wann welche Daten bekommt. Angesicht der aktuellen Entwicklungen habe ich aber Zweifel

Übrigens könnte man auch hervorragend den deutschen Personalausweis im Internet nutzen. Der ist zwar alles andere als perfekt, weil wir damit nicht digital unterschreiben können. Es wäre aber problemlos möglich, damit anonym(!) sein Alter direkt bei den Websites nachzuweisen. 

Das das ohne große Mühe geht, sieht man daran, dass z. B. Nextcloud, ein OpenSource-Projekt mit dem jeder seine eigene Cloud betreiben kann, inzwischen eine Anmeldung mit dem deutschen Personalausweis implementiert hat. Und wenn das ein OpenSource-Projekt kann, hinter dem kein Geld kann, könnte das natürlich jeder Diensteanbieter und natürlich wäre das aber eine zu gute Lösung, an der zu wenig Leute verdienen.

Und dann kommen wir zum eigentlichen Problem:

Es ist schon nicht gut, dass der Staat biometische Daten und Fotos aller Bürger*innen hat. Aber solche Datentöpfe bei Privat stellen natürlich ein super lukratives Angriffsziel dar: Von Hackern die mit Euren Daten Geld verdienen wollen, bis hin zu staatlichen Akteuren, die Euch ausforschen, vielleicht sogar erpressen wollen. 

Nicht, aber wirklich gar nichts in den letzten 20 Jahren in der IT ist eine dermaßen menschenfeindliche und dämliche Idee, wie die, Euch zwingen zu wollen, Eure Kamera an zumachen und Eure Bilder von einer KI auswerten und von einem Gewinn-orientierten Konzern verarbeiten zu lassen.  

Zusammen mit den angestrebten Verboten von VPN-Software, damit Ihr Eure Kommunikation im Internet verschlüsseln könnt, entsteht ein für Unternehmen gläserner Mensch mit einem sehr hohen finanziellen Potential, das ausgeschöpft werden soll. Gemeinsam damit, dass man dann alle Eure Daten ins Internet verlagern will, steht nicht mehr auf Messers Schneide, als Eure persönliche Freiheit

Wir sind dabei das Recht zu verlieren zu entscheiden, mit wem wir über was diskutieren, wem wir welche Daten über uns preisgeben wollen und wo wir uns (digital) zurückziehen können. 

Alles was bleibt ist, massiv Druck auf die Politik zu machen. Das geht, indem Ihr entsprechende Organisationen wie z.. B. Netzpolitik oder DigitalCourage oder andere unterstützt. Das Ihr Euch klar macht, welche Gefahr droht und darüber mit Freunden und Bekannten sprecht. Das Ihr aber auch auf Politiker aller Ebenen zugeht, und wenn es „nur“ die in Euren Stadträten sind, und klare Forderungen an die Politik laut macht: Das Recht auf Privatheit, das Recht auf eine überwachungslose Umgebung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung. 

 


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