Einkaufen – ich denke nicht annähernd bösartig genug :-O
Kennt Ihr das?
Dieses Gefühl des Entsetzens? Darüber, dass man bisher offensichtlich nicht annähernd böse genug in seinen Gedanken gewesen ist und das die Welt noch viel schlimmer ist, als man angenommen hat?
So ging es mir am Wochenende, als ich einen neuen Begriff kennengelernt habe: Neben Dynamic Pricing gibt es wohl das Surveillance Pricing. Und um das zu erklären, muss ich einen Schritt zurück machen:
Vor einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, dass es in Zukunft beim Einkaufen Datenschutz nur noch für Besserverdienende gibt. Die Logik ist einfach: nutzt Du nicht die „Kunden-App“ des Ladens in dem Du einkaufst, zahlst Du mehr. „Günstige“ Preise gibt es nur noch mit der App. Die Folge wird sein, dass das in Zukunft nicht die Angebote sind, sondern das die App-Preise den Normalpreis darstellen, während die, die keine Daten preisgeben wollen, einen Aufschlag zahlen müssen.
Weswegen, meiner Meinung nach zu Recht, Verbraucherschützer auch alles versuchen, diese Apps einzudämmen.
Womit ich das damals nicht in Verbindung gebracht habe, ist „Dynamic Pricing“. Das kennen wir von den Tankstellen und die Einzelhändler wollen das auch: Die Preise sollen sich dynamisch anpassen. Vereinfacht gesagt: Ist es draußen heiß, wird das Eis teurer. Regnet es, kosten Schirme mehr. So kann man aus dem „Bedürfnis“ des Kunden einfach mehr raus holen.
Wer das schon übel findet, der sollte jetzt aufhören zu lesen. Denn die Händler dieser Welt haben das eine Stufe weitergedreht und das das „Surveillance Pricing“ in die Geschäfte gebracht. Demnach werden die Preise jetzt nicht nur nach den öffentlich verfügbaren Daten erhöht oder gesenkt. Sondern offensichtlich auch nach dem, was das Geschäft von Dir weiß.
Stellt Euch das nur mal vor: Über die App weiß der Laden, welches Handy Ihr habt und damit die ungefähre Preisklasse. Kauft Ihr am Montagsanfang mehr und müsst am Ende des Monats mehr aufs Geld achten? Also zeigt man Euch Anfangs was Ihr mögt und am Ende locken wir Euch mit mehr Sonderangeboten. Man weiß welche Mengen Ihr kauft und kennt die durchschnittlichen Verbräuche, somit weiß man wie viele Personen Ihr versorgt. Kleine Anekdote am Rande: In dem Buch NSA nutzen die Nazis das, um versteckte Juden aufzuspüren.
Vince Ebert hat mal gesagt: „Die Aussicht auf ein Schnäppchen lähmt die Großhirnrinde – Geiz macht also nicht Geil, Geiz macht blöde!“
Und jetzt überlegt Euch einfach, dass all die psychologischen Tricks, mit denen Social-Media-Apps Euch beeinflussen, noch mehr Einzug in Apps der lokalen Geschäfte halten. Die wiederum mit einer unfassbaren Menge an Datenpunkte und ein wenig geschickter Manipulation damit den letzten Cent aus Eurer digitalen Wallet ziehen. Alleine das zu schreiben verursacht bei mir ein sehr unangenehmes Gefühl. Denn ich sehe nicht, dass hier eine wirksame Regulierung stattfinden wird – halt genauso wenig wie wir das bei Temu, Insta oder anderen sehen. Nur das Ihr in diesem Modell keine Chance mehr habt, dem zu entkommen. Außer eben nicht die Apps zu nutzen, was Euch sehr, sehr viel Geld kosten wird.
Das Absurde ist, dass ich das bei großen Webshops mit vielen Daten erwarte. Aber halt nicht die Transferleistung hinbekommen habe, dass der stationäre Handel das dann auch machen wollen wird.
Und offensichtlich kann. Denn in Maryland gibt es jetzt das erste Gesetz gegen genau diese Art der „Zielbepreisung“. Und zu solchen Gesetzen kommt es nicht, wenn es keinen Grund gibt:
This new law, introduced by Gov. Moore, was prompted by concerns that major retailers, such as Walmart, are adopting digital price tags on their shelves that can change instantly by using predictive technology to manipulate prices and hurt average consumers.
“Retailers have a lot of data about individual shoppers; how often we search for or hover over particular items, whether we live near competitor stores, inferences about our likes and dislikes, our dietary needs, our income, our family size, and more. Surveillance pricing allows companies to take advantage of that information asymmetry and charge you as much as they think you’re individually willing to pay,” said Grace Gedye, senior policy analyst at Consumer Reports (CR).
Quelle: goodnewsnetwork
Und ich bin ehrlich gesagt etwas angefressen, dass mir das nicht direkt aufgefallen ist. Weil es ist eigentlich nur logisch, dass man auch im stationären Handel nicht nur auf das Wetter (oder andere allgemeine Quellen) zurückgreifen will, weil das immer noch zu ungenau ist, um das Maximum aus dem Kunden heraus zu holen.
Ich kann es mir nur so erklären, dass ich einfach nicht über die Apps hinaus weiter denken wollte, weil ich nicht akzeptieren wollte, wie schlecht Menschen sein können, wenn es um kurzfristige Gewinnmaximierung geht.
Aber gut, ich bin eh als linksgrünversiffter Gutmensch verschrien. Da darf ich auch mal einen blinden Fleck haben, wenn es um die Bereitschaft geht, die Menschen auszunehmen.
(Es ist zum Kotzen. Anm. d. Verf.)
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