Konsequent gegen die Menschen und das Klima

Ich habe gestern ja noch mal über die Klimakrise in der lokalen Politik geschrieben. Bei der Recherche bin ich über den jüngsten Streich der Anti-Klima-Ministerin Reiche (CDU) gestoßen:

Bundesregierung will kleine Solaranlagen nicht mehr dauerhaft fördern
Wirtschaftsministerin Reiche will einen Kurswechsel in der Energiepolitik. (…)

Die EEG-Reform sieht vor, dass es für neue, kleine Solaranlagen auf dem Hausdach wie geplant ab 2027 keine dauerhafte Förderung mehr geben soll. Reiche sagte, die Zeit der festen Einspeisevergütung auf Kosten des Steuerzahlers laufe aus.

Tja. Was soll ich sagen?

Außer vielleicht: Passt ja in den „Mal Minus Eins-Kurs“ der Union. Also einfach immer das Gegenteil von dem machen, was sinnvoll ist. Die Auswirkungen zahlen vor allem die Steuerzahler*innen:

Trotz Hochsommer bleiben Strommarktpreise zu Mittag positiv.Weil Flusswasser fehlt. Abends geht der Preis konstant über 200 je MWh weil Flusswasser fehlt, Wind zu wenig, PV ohne Sonne ausfällt und die Gaskraftwerke in ganz Europa anlaufen#PV #Nutzungsrechte #Innovation #ErneuerbareEnergien

Bernhard Wippaunig (@bernhard70.bsky.social) 2026-07-29T18:17:46.946Z

Das Paradoxe ist, dass Katharina Reiche weiter am Gas klebt. Das mag angesichts ihrer Vita nicht überraschen, ist aber halt ökonomisch und ökologisch das am wenigsten sinnvolle.

Tatsächlich müsste man Wind- und Solarenergie massiv fördern und hier eben auch die Speichertechnik, um eben bei Windflauten und Nachts die Produktionslücken zu decken. Dabei spielen gerade die Klein- und Kleinstanlagen eine wichtige Rolle. Bzw. auch deren Speicher:

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Ich habe z. B. ein kleines Solarbalkonkraftwerk, dass 1 KW peak erreicht. Also deutlich mehr Strom erzeugt, als im Regelfall notwendig ist:

Sind wir zu Hause im Homeoffice, verbrauchen wir ungefähr 150-200 Watt pro Stunde, de Rest geht in den Speicher.

Der Speicher ist so dimensioniert, dass er groß genug ist, die übrige Energiemenge aufzunehmen. Damit möglichst viel er erzeugten Sonnenenergie auch für den Haushalt nutzbar ist. 

 

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Nachts sinkt der Verbrauch auf ungefähr 90-100 Watt. Davon entfallen 30 Watt auf die Technik rund um die Solaranlage, der Rest sind Kühlschrank, Tiefkühltruhe und Standby-Geräte. 

Das heißt bei mir:

Vormittags bis Nachmittags produziert meine Anlage wie irre. Ab spät Nachmittags bis in den frühen Abend verbrauchen wir etwas von dem, was im Akku gespeichert ist. 

Zumindest soweit möglich. Und wie sich herausstellt, ist ziemlich viel möglich: Mit Ausnahme von 2 Wasserheizern, dem Ofen und dem Bügeleisen passt das. 

Typischer Verbrauch in der Nacht

Und Nachts? Da wird einfach der Standby-Bedarf gedeckt. Und das was übrig bleibt? Das kann ich ins Netz abgeben. 

Natürlich kann ich das noch optimieren, indem ich einen dynamischen Stromtarif nutze und tagsüber, wenn der Strom super billig ist, noch mehr in den Akku lade und dann Nachts wieder ins Netz abgebe.

Und genau diese Möglichkeit, Strom ins Netz zu geben, wenn der Eigenbedarf gedeckt ist, würde die Stromnetze massiv entlasten. Weil wir hier auf der „letzten Meile“ sind und alle Haushalte, die zwischen mit und der (intelligenten) Ortsnetzstation liegen, den eingespeisten Strom nutzen können.

Würden wir also massiv in solche dezentrale Speicher investieren und zwar so, dass die Menschen bereit sind, den günstigen Strom den sie im Überschuss haben wieder einzuspeisen, wäre allen geholfen. Und wenn man z. B. sagt, dass abends, wenn der Strom aus den großen Kraftwerken teuer ist, die dezentralen Erzeuger den Preis erstattet bekommen, den sie tagsüber bezahlt haben, wäre es für sie kostenneutral und es würde den abendlichen Preisanstieg wiederum dämpfen. Dafür müssten allerdings „intelligente“ Zähler, Bridges und dynamische Stromtarife endlich in der Breite verfügbar sein.

Und ja, damit kann man nicht alles abfangen. Es wird weiter große Anbieter geben müssen. Aber die können eben aus großen Speichern bedient werden, die z. B. mit Windanlagen gefüllt werden. 

Hier ist es z. B. so, dass ich einen Warmwasser-Boiler in der Küche und einen Durchlauferhitzer im Bad habe. Da mein Balkonsolarkraftwerk aktuell nur 800 Watt einspeisen darf, muss ich bei ersterem ca. 200 Watt aus dem Netz beziehen und bei letzterem so um die 15 KW. Und daran wird sich kurzfristig auch nix ändern. Ähnlich ist das mit den 1,5 KW des Bügeleisens und den 2 bis 5 KW für den Herd / Backofen. 

Aber genau das ist das Wesentliche: Solche Spitzen kann und muss das Netz insgesamt decken – ob aus dezentralen Speichern oder zentralen Speichern ist dem Strom völlig egal. Und ich kann das weitgehend vorhersagen. Wann spülen die Leute in der Regel? Wann duschen sie in der Regel? Was passiert in der Werbepause beim Fußballspiel?

Aber für rein gar nichts muss man dabei an der Verstromung von fossilen Energieträgern festhalten. Das Geld, dass wir für den Bau, Ausbau und Betrieb der Kraftwerke aufwenden und vor allem die Klimafolgekosten sind um ein Vielfaches höher, als würden wir jetzt massiv in Speichertechnik und dezentrale Erzeugungsnetze investieren. 

Und wenn mir noch ein Politiker mit „aber das Netz kann das nicht!!!“ kommt, raste ich aus. Erstens wird schon seit Jahren gesagt, dass Erneuerbare gar nicht so viel Energie beisteuern können, wie sie machen. Und die angedrohten Stromausfälle, wenn sie machen was sie angeblich nicht können, bleiben auch aus. Letztlich ist es eine Frage des Incentives, das durch den Staat gesteuert wird. 

Und da laufen wir gerade mit Vollgas (pardon für das Wortspiel) in die falsche Richtung. Oder wir sagen so: Wir wissen was richtig ist und die Union macht einfach mal wieder „Mal Minus Eins“.

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen. Statt ökonomisch und ökologisch richtig zu handeln, also so, dass die gesellschaftliche Wohlfahrt den größten Gewinn davon zieht, werden weiter einzelne Konzerne gepimpert. Die direkten Kosten tragen wir mit dem Strompreis, die indirekten Kosten werden sich in Form der Klimafolgekosten manifestieren. Und das alles wissen wir, machen aber genau das Gegenteil – dank eines CDU-Kanzlers der gerne an Aktien denkt und dank einer verantwortlichen Ministerin, die den Eindruck macht auch eher ihrem ehemaligen Arbeitgeber nahe zu stehen, als den Menschen denen sie dienen soll. 

(Übrigens: Schon die Unruhe die Trump in die Gas- und Öl-Preise bringt, sollte genug Motivation sein, asap auf erneuerbare Energien umzuschwenken…)

 

 

 


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