Macht Euch Endlich Frei!
Zu meinen Lieblingsthemen gehört ja Digitale Souveränität. Ich nerve Euch ja ständig damit, dass Ihr Euch von den großen Anbietern wie Amazon, Microsoft, Meta und Co lösen sollt und das es bessere Lösungen gibt. Jetzt gibt es ein Mal mehr einen guten Grund dafür:
Vorige Tage war das Internet weg…
Also gut, es war nicht das Internet weg. Lediglich einige sehr große Seiten und Dienste waren nicht erreichbar, was für viele den Eindruck macht „das Internet ist kaputt“. Was passiert ist war, dass in den Cloud-Diensten von Amazon (AWS) ein Fehler auftrat, der zu einer Nicht-Erreichbarkeit eines Teils der Infrastruktur führte. Das offenbarte aber auch einen Fehler im System:
Wer mich kennt der weiß, dass ich kein Freund von „alles muss in die Cloud“ bin. Cloud ist ja nur ein Synonym für „Computer eines anderen“, dem ich meine Software und meine Daten anvertraue. Manchmal freiwillig, weil es so schön einfach ist, manche Firmen wie Microsoft zwingen einen aber förmlich. Und auch viele Anbieter von Software wie Reddit oder Zoom nutzen Cloud-Dienste, weil sie dann keine eigenen Rechenzentren betreiben müssen.
Ist das nicht schön?
Ist es, bis uns klar wird, dass es das nicht ist:
1) Amerikanische Cloud-Anbieter sind nicht sicher
Fast alle großen Cloud liegen bei amerikanischen Betreibern. Die, unabhängig davon, ob sie z. B. ein Rechenzentrum in der EU betreiben, amerikanischem Recht unterworfen sind. Das mit dem Cloud-Act der amerikanischen Regierung Zugriff auf all die Daten gewährt.
2) Zentralisierung ist der Feind des Internet
Das Internet ist ein auf Ausfallsicherheit entwickeltes dezentrales System. Der Ausfall von AWS, der unzählige Dienste mit in den Tod riss zeigt, dass diese Ausfallsicherheit nicht gegeben ist, wenn wir wenigen großen Playern die Macht über unsere Systeme geben. Fällt der Anbieter weg, war es das.
3) Zentralisierung ist nicht billiger
Natürlich kann man sich dagegen schützen. So bietet Amazon z. B. „Georedundanz“ an, also die Verfügbarkeit der Daten an mehreren Standorten auf der Welt. Wer sich aber mal die Kosten für Cloudcomputing und Cloudstorage angesehen hat weiß, dass schon ohne diese Redundanz erhebliche Beträge fällig werden. Georedundanz ist etwas, an dem man gerne spart.
Das Problem ist, dass wir die letzten 20 Jahre absolut nicht auf Infrastruktur geachtet haben, sondern nur auf die Services. Es gibt kaum kleine, dezentrale Rechenzentren und selbst wenn man die jetzt bauen wollen würde, müsste man erst mal wieder in großem Maßstab Personal ausbilden.
Wobei wir uns die Frage stellen sollten, ob wir das nicht einfordern müssten. Was aber auch mit unserem Verhalten zu tun hat. Statt auf Services zu vertrauen, die AWS und Co nutzen, könnten wir selbst die dezentrale Struktur des Internets unterstützen. Nutzen wir z. B. Threema statt Whatsapp, nutzen wir ein Rechenzentrum in der Schweiz. Habt Ihr eigne Weblogs, Domains, E-Mail etc. so könnt Ihr auf europäische Anbieter mit eigenen Rechenzentren zugreifen. Was für die auch eine Motivation wäre, ihre Angebote auszubauen.
Ihr gewinnt damit sehr viel Souveränität und wirklich teuer(er) ist das auch nicht. Es ist vielleicht am Anfang etwas mühsamer, weil viele heute nicht mehr wissen, wie das mit Websites, Webhosting, Mailserver etc. funktioniert. Aber ihr findet immer Menschen, mich z. B., die Euch dabei helfen können.
Es liegt an uns, dass wir dezentrale Systeme und eigene Rechenzentren in Europa einfordern und durch Nutzung ermöglichen. Der aktuelle Kurs der Zentralisierung jedenfalls ist ein Irrweg.
Also, wie immer:
- Nutzt sichere Messenger wie Threema
- Nutzt eigene Weblogs, statt Instagram und Facebook
- Nutzt eigene Mail-Server statt Google Co
- Nutzt Open Source: LibreOffice statt Microsoft Office, Linux statt Windows
- Nutzt eigene „Cloud“-Dienste, z. B. Nextcloud
- Nutzt Deutsche oder europäische Anbieter wie z. B. Manitu (wo man auch gleich den Blog, E-Mail und Nextcloud dazubekommt)
Lasst uns einfach das Internet wieder zu einem Ort des Wissens, des Austauschs und der Freude machen. Weg von einem reinen zentralistischen, überwiegend von den USA kontrolliertem Kommerz-System, hin zu einem „Wir“-System.
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