Mobile Internetgeschwindigkeiten im Netz der Telekom

Mobile Internetgeschwindigkeiten im Netz der Telekom

In einem Moment spontaner Neugier wollte ich mal was ausprobieren:

Mein favorisierten Geräte für’s Arbeiten unterwegs sind mein Lenovo Thinkpad Yoga und mein iPhone. Das iPhone hat ein 5G-Datenmodul, das theoretisch unfassbare 10 Gbit/s unterstützt. Zum Vergleich: die meisten „schnellen“ Glasfaseranschlüsse kommen derzeit auf 1 Gbit/s, die meisten DSL-Kupferanschlüsse schaffen 0,1 bis 0,25 Gbit/s, also 100 bis 250 MBit/s.

Während das Lenovo „nur“ LTE unterstützt. Glaubt man der Dokumentation, kann das Notebook damit allerdings bis zu 450 MBit/s im Downstream schaffen. Damit sollte es immer noch sehr viel schneller sein, als Kupfer. 

Das Problem:

LTE / 5G sind „shared medium“, man teilt sich also die maximal verfügbare Bandbreite mit anderen Nutzenden. Daher sind auch die per Vertrag angegebenen Höchstgeschwindigkeiten nur selten erreichbar. Das zweite Problem: Die Netzanbieter bauen massiv 5G aus und haben nur dort noch ein wirtschaftliches Interesse an LTE, wo die größere Reichweite eine Rolle spielt, die die Funksignale bei gleicher Leistung haben. Man darf also nicht erwarten, dass LTE sich groß in Richtung der maximalen Geschwindigkeit weiterentwickelt. Zumal 6G vor der Türe steht. 

Die Telekom selbst gibt an, dass sie in LTE „bis zu“ 1 GBit/s bietet und mit 5G immerhin 10 GBit/s. Somit könnte mein iPhone die maximale Datentransferrate ausschöpfen und mein Notebook auf immerhin fast die Hälfte kommen.

Also habe ich das mal in einer „verkehrsarmen“ Zeit (sehr früh am Morgen) in der Landeshauptstadt von NRW, Düsseldorf, getestet. Mir war klar, dass ich nicht annähernd die Maximalwerte erreichen werde und auch, dass es Unterschiede zwischen den Geräten geben würde.

Das Ausmaß hat mich allerdings überrascht:

Screenshot

Gemessen mit der Telekom-eigenen Speedtest-Seite bin ich mit dem iPhone knapp unter 1 GBit/s gekommen. Also ca. ein Zehntel dessen, was theoretisch möglich wäre.

Gut, hohe Häuser, Stahl, Beton und so weiter. Man, bzw. ich, weiß nicht so genau, wie das alles das Ergebnis negativ beeinflusst und die Mobilfunkunternehmen werden schon wissen, warum sie immer von „bis zu“ sprechen. 

Vermutlich sind die Höchstwerte nur auf freiem Feld, in perfekter Ausrichtung zum Sendemast mit direkter Sichtverbindung bei einer exakten Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu erreichen 😉

Trotzdem finde ich das Ergebnis etwas deprimierend. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Das reicht für 99,99999% aller Nutzungsszenarien locker aus und der Ping würde sogar zum Zocken taugen. Aber trotzdem: 0,9 zu 10? Nicht so doll.

Richtig deprimierend wird es aber mit dem Lenovo: Gleicher Standort, gleiches Netz, gleicher Vertrag.

Das Ergebnis: 0,085 GBit/s. 

Jetzt weiß ich nicht, was hier so stark limitiert, ob es das Modem im Notebook, die Antennen im Display oder die Unlust des Netzbetreibers, zwei schnelle Netze auszubauen und zu betreiben, ist. In meinem dienstlichen Notebook habe ich eine Karte von D2 und ich sag mal, da würde ich von 85 MBit/s nicht zu träumen wagen – was witzig ist, weil das dort verbaute Modem für bis zu 600 MBit/s spezifiziert ist, also schneller sein sollte. 

In jedem Fall ist das Ergebnis deprimierend.

Ja, auch hier gilt wieder, dass 85 MBit/s für mobiles Arbeiten ausreichend sind und auch für angenehmes Streaming. Aber im Vergleich zu den 450 MBit /s, die das Notebook theoretisch kann, ist das natürlich schwach. Auch wenn der relative Unterschied von Ist zu Soll weniger groß ist, als beim iPhone, frage ich mich schon, warum ich nicht wenigstens 100 oder 200 MBit/s erreichen kann.

Wobei die Antwort oben steht: mein Notebook ist mit LTE halt ein „Auslaufmodell“ in Zeiten von 5G.

Und jetzt würde ich gerne eine Diskussion darüber lostreten, ob es nicht sinnvoller wäre, statt 6G auszurollen, erst mal 5G über ein paar Jahre zu optimieren. Aber das ist müßig, denn wenn ich bei Computern eines gelernt habe, dann das wir sie nicht mehr optimal nutzen – sondern das einfach immer schneller neue Technik her muss, die noch tollerer ist, als die Generation davor… Besonders „amüsant“ wird das dann, wenn man sich mal vor Augen führt, was LTE bedeutet – und wie kurz seine Lebensdauer war, wenn man vom Beginn des Netzaufbaus 2010 bis zur Einführung von 5G in 2019 schaut…

 

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Mir ist bewusst, die Umrechnungen GBit/s <> MBit/s nicht exakt mathematisch sind. Es soll ja nur ein generelles Verständnis geschaffen werden. 

 

 


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