Preise, Produkte, Monopole und Abos

Sorry für das schlechte Wortspiel. Aber ich wollte mal kurz über „Inflation“ reden. Und solche, die keine ist. 

Normale Inflation, also Geldentwertung, ist nach einhelliger Meinung von Ökonomen notwendig um dem Markt ein gewisses Wachstum zu verschaffen. Dadurch das Geld weniger wert wird, also die Kaufkraft sinkt, ist es notwendig, mehr Geld zu verdienen und möglich die Preise zu erhöhen. Das Ganze bildet am Ende einen Kreislauf. Schlecht ist nur zu hohe Inflation oder nicht mindestens gleich schnell wachsende Einkommen. Schlecht sind auch Deflation und Stagnation. Okay. Alles schon tausend Mal gehört. 

Was aber passiert, wenn Waren und Dienste teurer werden und es nicht die „normale“ Inflation ist? Dann kann man sich mal ansehen, was dahinter steckt. Und wie Ihr auch habe ich das Gefühl, dass die Preise in den letzten Jahren stärker steigen, als es durch die Inflation sein dürfte. Als fauler Mensch rechne ich das jetzt nicht in meiner Buchführung nach, sondern gehe mal davon aus, dass das stimmt.

Dann gibt es noch eine andere Erklärung:

Preise für Waren und Dienstleistungen streben in der Marktwirtschaft immer zu einem „Equilibrium“. Einem Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage. Mehr Nachfrage senkt das Angebot, die Preise steigen. Das macht es andere Unternehmen lukrativ auch die Produkte oder Dienste anzubieten, es gibt also mehr Angebot, die Preise sinken wieder. Sinkt die Nachfrage, sinken die Preis, es wird unwirtschaftlich, Unternehmen hören auf zu produzieren, das Angebot sinkt, die Preise steigen. 

Für ein Wirtschaftssystem entsteht daraus die sogenannte „Wohlfahrt“. Diese ist die Summe aus der „Konsumentenrente“ plus der „Produzentenrente“. 

Die Konsumentenrente ist dabei die Differenz zwischen dem, was ich für ein Produkt oder einen Dienst bezahlen würde und dem, was ich wirklich zahlen muss. Wäre ich bereit 100 Einheiten zu bezahlen, muss aber nur 50 Einheiten abdrücken, habe ich eine Rente von 50 Einheiten „erwirtschaftet“. 

Dem gegenüber steht die Produzentenrente. Das ist die Differenz zwischen den Grenzkosten die mich das Anbieten eines Produktes oder eines Dienstes kosten würde und dem, was der Kunde letztlich dafür zahlt. 

Ihr müsst das nur soweit verstehen, dass dieses System ebenfalls zu einem Gleichgewicht tendiert, dass letztlich Ausdruck des oben genannten Gleichgewichts aus Angebot und Nachfrage ist. Das, was dabei entsteht, also der Nutzen, ist die sogenannte Wohlfahrt. 

Diese Wohlfahrt kann gestört sein. Also ins Ungleichgewicht kommen. Das kann z. B. passieren, wenn der Markt nicht mehr in der Lage ist, den Gleichgewichtspreis zu bilden. Und ich frage mich, ob das nicht der Fall ist. 

In den letzten Jahren haben wir erlebt, dass sich immer mehr Monopole bilden, also Situationen in denen ein Anbieter den Markt beherrscht. Microsoft, Uber und Amazon kommen einem in den Sinn. Oder Oligopole, also Situationen in denen wenige Player den Markt aufteilen, wie z. B. bei Cloud-Speicher von Apple, Microsoft oder Amazon (AWS) – oder auch Mineralölkonzerne oder große Stromproduzenten. 

Das unglückliche an solchen Situationen ist, dass es eine sogenannten „Monopolrente“ gibt. Also einen Betrag, den Unternehmen mehr erwirtschaften können, als bei einer normalen Preisentwicklung zu erwarten wäre:

Sagen wir, für den Service A würde sich der Preis immer bei 100 Einheiten einpendeln. Steigt er darüber, erhöhen andere Firmen des Angebot, fällt der Preis, reduzieren Firmen ihr Angebot. 

Wenn es aber jetzt nur eine Firma, oder sehr wenige gibt, die den Markt beherrschen, können Sie diesen Mechanismus aushebeln, indem sie einen höheren Preis verlangen, also der Markt zu zahlen bereit wäre – wenn er denn eine Alternative hätte. Gerade im IT-Bereich ist das sehr auffallend durch die Strategie der letzten Jahre, um jeden Preis zu wachsen, bis man den Markt und damit die Preise beherrscht. 

Aber man kennt das auch aus anderen Branchen, das berühmteste Beispiel dürfte diese Grafik sein:

Quelle: BusinessInsider https://www.businessinsider.de/wirtschaft/eine-grafik-zeigt-die-unheimliche-macht-von-nestle-2018-2/

Hier sieht man sehr schön, wie wenige Unternehmen ganze Produktkategorien beherrschen und damit die absolute Marktmacht darstellen. 

Sehr beliebt in solchen Situationen ist es, die „Markteintrittshürden“ für andere Unternehmen möglichst hoch zu hängen. Das kann z. B. sein in dem man so gut die Produktion optimiert, dass es für Neueinsteiger viel zu teuer wäre, weniger optimal zu produzieren. Oder, auch sehr beliebt, Konkurrenten einfach aufzukaufen. Das Geld dafür hat man aus der zusätzlichen Monopolrendite und diese will man dadurch dauerhaft auch sichern.

Jetzt kennt jeder die Diskussion um Benzin. Wir alle wissen, dass die Preise sich nicht nach Angebot und Nachfrage richten und wir alle sehen, das die Preise zwischen den Konzernen nie sonderlich von einander abweisen. Sowas zu kontrollieren ist Aufgabe von speziellen Behörden, bei uns das Bundeskartellamt. Es hilft dann natürlich wenig, wenn sich das darin erschöpft zu sagen: „Jo, da ist zu wenig Wettbewerb„. 

Tatsächlich sind aber lokale, staatliche Kartellaufsichtsbehörden heutzutage auch eher fragwürdig. Denn die Mechanismen, die IT-Konzerne oder Lebensmittelkonzerne zu (quasi) Monopolisten machen, sind nicht mehr national zu steuern. Wie die Konzerne selbts auch supranationale Entitäten wurden, müsste hier eine supranationale Steuerung und vor allem Aufsicht her. 

Die letztlich Bürger*innen nicht nur davor schützen müssen, Preise bezahlen zu müssen die künstlich höher sind, als sie es normalerweise wären. Sondern die auch die Menschen vor den Allmachtsphantasien der Konzerne schützen. 

Und seit einiger Zeit haben Unternehmen noch eine andere Möglichkeit gefunden, um ihre Monopole zu schützen, ihre Monopolrente zu maximieren und die Konkurrenz möglichst raus zu halten: Subscription, also Abo-Modelle.

Es kommt nicht von ungefähr, dass wir heute für alles keinen Kaufpreis mehr zahlen, sondern nur eine Art monatliches Nutzungsentgelt.

Auf der einen Seite lieben Unternehmen die Vorstellung, dass sie einen steten Zufluss von Geld für das gleiche Produkt haben können, statt es nur ein Mal zu verkaufen und am Ende nutzt der Kunde es länger, als man gerne hätte. 

Auf der anderen Seite bindet man über die Kombination von Abo und Cloud die Menschen in die eigene Umgebung. Wer schon mal als Privatmensch seine Daten von Cloudanbieter A nach Cloudanbieter B verschoben hat weiß, dass das nicht immer trivial ist. Oder wie aufwändig es sein kann, sich in eine neue Software einzuarbeiten. 

Zusätzlich ist es halt auch weniger schmerzhaft, im Monat „nur“ 20 Einheiten  für eine Software zu zahlen, statt sie für 100 Einheiten zu kaufen. Das sich das schon nach wenigen Monaten drehen würde, übersehen wir gerne. Vince Ebert sagte mal:

Die Aussicht auf ein Schnäppchen lähmt die Großhirnrinde – 
Geiz macht also nicht Geil, Geiz macht Blöd!

Und jetzt stellt Euch das bei Unternehmen vor, die heute nicht nur ihre Software nicht mehr selbst besitzen (SaaS, Software as a Service) sondern in großem Maße auch ihre Infrastruktur nicht mehr selber vorhalten (IaaS, Infrastructure as a Service). In einem solchen System einmal eingebunden zu sein, bedeutet hohe Hürden zum Wechsel. Hohe Hürden bedeuten hohe Kosten.

Wir leben also in einer Phase, in der uns die Politik derart im Stich gelassen hat, dass die Regulierungsinstrumente nicht wirken, die solche Situationen erkenne und verhindern sollen – oder wenn sie eingetreten sind, sie auflösen sollen. Das ist, wie geschrieben, nicht nur ein Problem, das wir in Deutschland haben, sondern es ist eines, das weltweit agiert. 

Dieses Problem führt aber zu einer extremen Macht auf Seite der Konzerne. Und das ist spannend, denn vielleicht hat sich die eine oder der andere von Euch mal gefragt, wie eigentlich so „Megakonzerne“ entstanden sein könnten, die in Sci-Fi-Filmen vor allem der 80er Jahre die Welt beherrschten, gleich ob es die Welt in Blade Runner oder Alien oder zahlreicher anderer fiktiver Welten war.

Tatsache ist, wenn Euch heute alles ungewöhnlich teuer vorkommt, werdet Ihr damit nicht falsch liegen. Die „Ausrede“, das sei halt die Inflation, greift aber viel zu kurz. Denn wir haben längst die Phase einer moderaten oder gar sozialen Marktwirtschaft verlassen und bewegen und in einem ungezügelten Kapitalismus, der politisch gefördert wird.

Denn die Konzerne stecken natürlich sehr viel Geld in Lobby-Arbeit. Regulierung würde Arbeitsplätze kosten, heißt es immer. Regulierung würde den Markt schwächen. Faire Steuern würden und so weiter und so fort. Die Wahrheit ist aber eine ganz andere.


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