Sie lernen es nicht – Wir lernen es nicht

Erinnert Ihr Euch noch an das „9€-Ticket„?

Das wurde damals als Entlastungsmaßnahme im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und die in der Folge sprunghaft gestiegenen Benzin-Preise eingeführt. Und es war ein riesen Erfolg

Der Erfolg war so groß, dass man richtig fühlen konnte, wie den Politikern plötzlich der Angstschweiß den Nacken runter lief. Sollte die Autonation Deutschland eine Alternative zum Auto erkennen? Sollte klar sein, dass wir gar nicht die Umwelt ruinieren müssen? 

Das Zusammenspiel von Corona-Pandemie und im zeitlichen Anschluss das 9€-Ticket hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt in einem Ausmaß, von dem man uns immer erklärt hat, das wäre gar nicht möglich. 

Insofern war es kein Wunder, dass mit den absurdesten Argumentationen aus dem 9€-Ticket eines für 49€ wurde, dann für 58 Euro und Stand heute 63€. Es war einfach zu erfolgreich. 

Jetzt ist wieder ein Krieg, diesmal gegen den Iran, in dessen Schatten die Sprit-Preise (und Gas zum Heizen, Öl sowieso) teuer werden. Und sofort wieder wieder nach Entlastungen gerufen und gesucht:

Wegen des Irankriegs kosten Diesel und Benzin an manchen Tankstellen schon mehr als zwei Euro. Nun denken Politiker laut über Entlastungen für Verbraucher und Unternehmen nach. Kehrt die »Spritpreisbremse« zurück? (Quelle: Spiegel)

Das ist dermaßen absurd. Weil wir wußten, dass es so kommt. Aber auch, weil wir einer konservativen Regierung erlauben, jeden Versuch der Unabhängigkeit von Öl und Gas zu torpedieren

Und eigentlich geht es noch schlimmer. Denn statt die damals begonnene Verkehrswende zu fördern und weiter voran zu treiben, hat man allerlei KFZ-Kaufprämien auf den Markt geworfen, auch für E-Autos. Die zwar ökologisch nicht so schlimm sind wie Verbrenner, aber immer noch massiv Ressourcen verbrauchen, Platz verbrauchen und eben nicht ökologisch unbedenklich sind.

Aber das Ticket musste dennoch auf 63 Euro erhöht werden – schließlich fördern wir mit Steuergeldern jedes neue E-Auto mit 6.000 Euro. Das sind 95 Monate oder fast 8 Jahre eines 63 Euro-Tickets. Oder 207 bei 29 Euro und sogar 667 Tickets für 9 Euro. 

Will sagen: Für jedes E-Auto können bis zu 667 Menschen einen Monat mit dem ÖPNV fahren. Oder halt eine Person 667 Monat, bzw. 55,6 Jahre(!). So lange hält kein Auto.

Aber es passiert, was passieren muss, wenn man die Anzahl von PKW nicht reduziert, sondern einfach immer mehr Anreize setzt, welche zu kaufen: Die Staus werden mehr und länger und es kommt zu ökologisch und ökonomisch sinnlosen Forderungen:

Immer neue Staus im Ruhrgebiet: Wird die A40 bald achtspurig? (Quelle: NRZ)

Als denkender Mensch kann man sich doch nur noch verarscht fühlen. Ein Kilometer Autobahn kostet zwischen 7 und 20 Millionen Euro. Das sage nicht ich, das sagt die Bundesregierung. Das sind, angenommen 7 Millionen pro KM, 777.778 (bei 9€) bis 2.222.222 Monate (bei 20 Mio € / KM) ÖPNV-Nutzung. Und selbst bei 63 Euro wären es noch 111.111 bis 317.416 Monate.

Das könnt Ihr ja mal addieren, wie viele Monate Deutschlandticket wir für Autokaufprämien und Autobahnbau übrig haben. Während man Euch erzählt, das für ein günstiges Ticket leider kein Geld da ist. Und dann erinnert Euch einfach mal daran, dass die Forschung sich einig ist, dass mehr Autobahn nicht weniger Stau bedeutet. Sondern mehr!

Es ist einfach nur noch absurd. Vollkommen absurd. Wir ruinieren die Landschaft, belasten die Umwelt, verteuern das Leben und das alles, während wir wissen, was die wirkende und wirkungsvolle Alternative ist. Wie dumm sind wir eigentlich?

 


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