The Idiot Plot als politische Leitlinie

Ich gucke gerne Serien und Filme. 

Eines der Dinge, die ich daran immer wieder beachtlich finde ist, wie oft sich die Drehbuchautoren eines „Idiot Plot“ bedienen. Wikipedia definiert den so:

In literary criticism, an idiot plot is one which is „kept in motion solely by virtue of the fact that everybody involved is an idiot“, and where the story would quickly end, or possibly not even happen, if this were not the case.

Und wenn man sich das mal vor Augen hält, stellt man fest, wie oft das der Fall ist. Mein Problem ist jetzt Folgendes:

Ich kann verstehen, wenn man das in der Literatur und Film anwendet. Ich kann aber nicht verstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass dieses Verhalten zur Maxime unserer Politik geworden ist. Und mit uns meine ich Deutschland, die EU und die Welt.

So haben wir zum Beispiel gerade „mal wieder“ eine Energiekrise, weil ein Präsident, der gern Diktator wäre, einen Krieg vom Zaun gebrochen hat – gegen ein Land, dass den Haupthandelsweg für Öl blockiert.

Statt das aber jetzt zu nutzen, um massiv die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Uran zu reduzieren und Sonne und Wind in den Fokus zu setzen, passiert nach bester Idiot-Plot-Verhaltensweise genau das Gegenteil:

Im Norden der Republik forciert eine Wirtschaftsministerin weiterhin Gas um jeden Preis. Zum Wohle einiger weniger großer Konzerne ignoriert sie dabei die gesamtgesellschaftlichen Gefahren. Und verschärft Krisen wie die aktuelle auch noch. Wobei wir bei der letzten gleichartigen Krise, während des Überfalls auf die Ukraine, gemerkt haben, dass z. B. das 9€-Ticket und eine Förderung von privaten Solaranlagen richtig wären. Aber, wie das so ist: Eine gute Serie darf nicht enden, weil man richtig entscheidet, sondern muss weiter gehen, egal wie dumm die Entscheidung ein mag.

Der Cliffhanger zwischen zwei Staffeln ist übrigens auch sehr wichtig. Damit man Interesse hat zu schauen, wie es weitergeht. Üblicherweise steigert man dann die Dramatik gerne auch über die Frage, wer die dümmsten Vorschläge machen kann. Während wir also gespannt warten, ob Reiche erkennt, dass nicht Gas die Zukunft ist, kommt aus Bayern…

In Staffel 2 Söder daher und faselt was von Mini-Atomkrafterken. Die es nicht gibt und nicht geben kann. Und selbst große AKW, Abhängig vom Uran das nicht aus Deutschland kommt, sind schlicht ökonomischer Unsinn, was die Baukosten und Zeiten, die Ewigkeitskosten nach Betrieb und alles andere angeht. Vom ökologischen Drohpotential reden wir gar nicht erst – Fukushima, Tschernobyl, Three Mile Island lassen grüßen, aber klar, in Deutschland passiert sowas nicht. Das Problem ist halt, das Söder eine noch unsinnigere Forderung stellen muss, um in den Medien gegen den Unsinn von Reiche wahrgenommen zu werden. Das ist auch das Problem mit Serien, die Handlungen müssen absurder werden und immer mehr Raum einnehmen. 

Weswegen Staffel 3 uns in die EU führt. Wo ausgerechnet die ultra rechte Regierung Italiens den massiven Anstieg des Öl-Preises durch den Iran-Konflikt eben nicht für den Ausbau erneuerbare Energien nutzen will – sondern um die Umweltauflagen der EU auszuhölen.

Das „Dumme“ ist folgende Szene aus Zombie-Filmen: Ein Charakter wird von einem Zombie infiziert und wir wissen, dass er zum Zombie werden wird. Er verschweigt das aber vor allen anderen und bringt sie damit in Gefahr.

Wenn wir uns jetzt also die Rechten auf der EU-Ebene ansehen, die immer nur Entscheidungen treffen, die entweder ökonomisch unsinnig, ökologisch fatal oder ethisch unerträglich sind, schauen wir auf unsere Gruppe und sehen da die „gebissenen“ Konservativen, die uns versichern, es ginge ihnen gut, uns ginge es gut, es wäre alles in Ordnung. Hier nennen sie es „Brandmauer“ und behaupten, sie würden nicht mit den Rechten paktieren.

Was sie aber natürlich machen und so ist gerade die EVP im EU-Rat, zu der die CDU und CSU gehören und die auch von ihnen angeführt wird, gerade aufgeflogen ist, mit der AfD zu kooperieren – entgegen aller Versprechungen des Bundeskanzlers.

Man kann also gar nicht umhin zu fragen, ob der Idiot-Plot nicht inzwischen wirklich das eigentliche Leitmotiv der Weltpolitik ist. Was wäre, wenn wir nicht die Windkraft begraben hätten und jetzt das Messer an Solar anlegen? Was wäre wenn wir viel Geld in den ÖPNV und die Schiene und nicht in die Autobahnen und PWK-Förderungen investiert hätten? Was wäre, wenn wir statt Milliarden mit Maut und Masken zu versenken, wir Geld in den Sozialstaat und die Bildung gesteckt hätten? Wenn wir nicht über den „Fachkräftemangel“ jammern würden, sondern einen guten Mindestlohn und eine solide Einwanderungspolitik hätten?

Man, damit meine ich vor allem mich, hat das Gefühl, dass die Drama-Serie „Kaputtregiert von Konservativen“ von Staffel zu Staffel absurder wäre und das wir schon längst eine grüne Bundeskanzlerin und eine rote Nummer Zwei haben könnten, in einem Staat in dem kein Kind hungern muss, in dem alle gleiche Bildungschancen haben und der Sozialstaat fördert statt straft. Aber das wäre nicht spannend, da bleibt niemand dran, das bringt keine Quote und auch die Boulevardpresse wäre enttäuscht. Außerdem würden viele mehr bekommen und einige wenige nicht ganz so viel mehr wie jetzt, statt das weiter viele dafür zahlen, dass einige wenige unglaublich viel bekommen. Vermutlich ist die Welt, sind wir für eine solche Welt einfach noch nicht reif genug. 

Weswegen es auch morgen wieder heißt: Schalten sie ein und staunen sie über die scheinbare Dummheit der Politik. Es wird spannend!

 


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