Uber vs. Taxi
In der NRZ bin ich über einen interessanten Artikel gestoßen. Denn es scheint so, als würde Uber an den Niederrhein kommen. Natürlich ist der Artikel in erster Linie die übliche Panik der Taxi-Unternehmen.
Vorweg: Ich halte nicht viel von der Gigkonomie, wo Menschen als vermeintlich Selbstständig oder zu Mindestlohn tätig sein müssen und von (zumeist amerikanischen) Konzernen abhängig sind, die sie in der Regel eher ausbeuten. Zwar gibt es in Europa und besonders in Deutschland gute Gesetze, die das Schlimmste verhindern, aber gut ist das weder für die Beschäftigten, noch die Gesellschaft.
Allerdings habe ich als jemand, der mal Wirtschaftswissenschaften studiert hat, auch ein Problem mit Monopolen. Und Taxi-Unternehmen sind ein staatliches Monopol. Der Staat regelt hier den Markt und definiert die Preise.
Und das ist für Taxi-Unternehmen ja erst mal nicht schlecht. Man gewöhnt sich halt schnell daran, wenn es keinen Preiskampf gibt. Und man weiß auch Situationen zu nutzen:
In dem Artikel geht es unter anderem um Zeiten zu denen wenig Fahrten stattfinden. Die sind natürlich problematisch. Das es aber auch anders geht habe gerade erst in Düsseldorf gesehen, wo die Taxen rund um den Bahnhof praktisch alles voll stellen, weil Streik im ÖPNV droht und das natürlich eine Goldmine ist. Von Endzeitstimmung kann man hier nicht reden, eher von Co-Existenz. Man mag sich nicht, aber man akzeptiert sich.
Düsseldorf ist auch ein schönes Beispiel. Denn hier gibt es Uber. Und Taxen. Und die Anzahl der gelben Autos scheint sich nicht verringert zu haben, seit die Autos mit dem Aufkleber Uber auftauchten
Wo ich allerdings einen Unterschied sehe, ist in der Innovationsbereitschaft. Ich habe das Gefühl, dass ein staatliches Monopol erfolgreich verhindert, dass sich Unternehmen bewegen. So stehen überall, meist mit laufenden Motoren für die Klimaanlage, Diesel-Taxis. Zumeist nicht gerade kleine Diesel mit Stern auf der Haube.
Uber dagegen bietet mir die Möglichkeit, bewusst mit E-Autos zu fahren und die meisten Fahrzeuge sind nach meiner Wahrnehmung eh mindestens Hybride. Wenn ich also das Jammern der Taxi-Unternehmen höre frage ich mich, warum ich da noch immer keine weite Verbreitung von E-Autos sehe? Schon 2017 habe ich in Vancouver gestaunt, weil fast jedes Taxi ein Tesla Model S war. In Deutschland setzt man nach wie vor auf die Verbrenner, fast 10 Jahre später. Muss mich dann wundern, dass Uber einen Preisvorteil hat?
Witziger Weise wird natürlich sofort unterstellt, Uber halte sich nicht an Regeln:
Es gibt auch für Uber Auflagen, doch Dickmann [Taxiunternehmer aus Voerde, Anm. d. Verf.] vermutet, dass sie nicht eingehalten werden, etwa die Rückkehrpflicht. Kontrollen?(Quelle: Oben verlinkter Artikel)
Wollen wir mal über Regeln reden? Es geht dabei nicht nur um das Laufen lassen des Motors, das grds. verboten ist. Ich glaube ich nicht der Einzige, der mehr als einmal dachte, für Taxifahrer scheinen alternative Verkehrsregeln zu gelten. Aber so ist das mit dem Balken und dem Auge, das wusste schon die Bibel:
Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? (Mt 7,4)
Und dann ist da die Kundensicht:
Ich wohne an der BETUWE-Bahnlinie, die derzeit ausgebaut wird. Folge sind häufige Ausfälle im Zug. Wenn ich nicht Mitten in der Nacht mit dem Schienenersatzverkehr fahren will, bleibt mir manchmal nur die Alternative Uber vs. Taxi. Und wenn ich von Voerde ein Taxi nach Duisburg nehme, bin ich mit mindestens 70 Euro dabei. Fahre ich mit dem Uber von Duisburg nach Voerde, sind es ziemlich genau die Hälfte.
Mit dem Thema hat sich jetzt der Mobilitätsausschuss des Kreises Wesel befasst: Michael Dickmann, streitbarer Taxiunternehmer aus Voerde, sprach für seine Kollegen. „Uber fährt zu Preisen, die sich gar nicht rechnen können“, sagt er.(Quelle NRZ-Artikel oben)
Wenn das so ist wie Herr Dickmann sagt, wer sagt mir dann nicht, dass Taxen viel zu teuer sind? Mal abgesehen davon, dass kein Unternehmen es sich leisten kann, Dienstleistungen dauerhaft zu Preisen anzubieten, die sich „nicht rechnen“, also die keinen nachhaltigen Geschäftsbetrieb erlauben*, wäre meine Vermutung, dass wenn Herr Dickmann Recht hat und ich mit der Annahme, dass Taxen wegen der Monopolrente zu teuer sind, die Wahrheit in der Mitte liegt. Was logisch ist, denn ohne (Preis-)Wettbewerb gibt es keinen Grund, dass die Preise sich nach Angebot und Nachfrage richten – die vom Staat festgelegten Preise sind ja unverrückbar.
Bedauerlich ist dann, wenn die Presse nicht einordnet:
Und Gerichtsurteile? „Die können hier nicht mal zugestellt werden, Uber hat seinen Sitz in den Niederlanden.“ Man merkt deutlich: Der Mann hat die Nase voll, fordert gleiche Bedingungen für alle, „dagegen können wir nicht anstinken“. (Quelle wie vor)
Natürlich kann man Gerichtsurteile in den Niederlanden zustellen. Solche Behauptungen helfen halt nicht zu glauben, dass die Taxi-Unternehmen ein Problem haben. Sie verfestigen den Eindruck, dass hier mit allen Mitteln eine bequeme Monopol-Position erhalten bleiben soll.
Denn sonst, wie oben schon geschrieben, hätten z. B. die Unternehmen mittlerweile von Mercedes-Diesel auf z. B. Toyota E und Hybrid gewechselt, wie Uber. Die übrigens genauso mit Taxameter ausgestattet sind, nur falls das als Argument kommt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Jede Branche, die versucht durch staatliche Regelungen Wettbewerb zu verhindern und Entwicklung zu vermeiden, wird über kurz oder lang den Bach runter gehen. Ja, wir brauchen ein gutes System das die Lücken im ÖPNV überbrückt. Das Menschen auch zum Arzt bringen kann oder oder oder. Was wir nicht brauchen ist die ewig gestrige Argumentation, dass Wettbewerb schlecht fürs Geschäft ist.
Was wir brauchen, und da hat Herr Dickmann recht, sind Regeln die verbindlich für alle Player gelten und die vor allem die Mitarbeiter schützen. Und die müssen dann auch für Uber gelten, wie sie für Taxis gelten: Wer Menschen befördert muss davon leben können, darf nicht durch Bezahlmodelle zu Regelbrüchen verleitet werden und muss über die Sozialversicherungen aufgefangen werden. Schließlich haben sowohl Taxifahrer, als auch die Fahrer von Uber eine hohe Verantwortung.
Und als Kunde würde ich mich freuen, wenn das im Vordergrund steht. Und dann vielleicht noch eine echte, marktübliche Bepreisung aus Angebot und Nachfrage.
Und nicht Hire&Fire nach US-Vorbild oder Monopole made in Germany.
Ein „Mindestbeförderungspreis“ wie vorgeschlagen wäre da wenig hilfreich. Und ist einfach nur Ausdruck des Willens, das staatliche Monopol festigen zu wollen und den Markteintritt Dritter verhindern zu wollen.
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*) Mir ist bewusst, dass nach dem Motto Act Fast & Break Things Unternehmen die disruptiv in den Markt dringen, für eine Zeit bereit sind, Verluste hinzunehmen, bis sie eine gewisse Marktdominanz erreicht haben. Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Phase bei Uber vorbei ist, das ja global nicht mehr der einzige Player ist und das insbesondere auch in Deutschland ja anderen steuerlichen Regeln unterworfen ist. Das merkt man auch als Kunde, denn so billig wie früher ist Uber schon lange nicht mehr.
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