Vielleicht bin ich zu spät dran gewesen…

Vor ein paar Tagen hatte ich mal einen Versuch gestartet, Euch davon zu überzeugen, dass Ihr einen eigenen Computer braucht. Meine Sorge ist einfach, dass der Wille der großen IT-Unternehmen (teilweise als „Hyperscaler“ bezeichnet) dahin geht, dass Ihr keine eigene nennenswerte Hardware mehr besitzen sollt. Ihr sollt nur noch Geräte haben, die die Verbindung zum Internet herstellen und an denen ein Monitor angeschlossen ist. 

Was der Monitor zeigt, kommt aus dem Internet, jeder Tastendruck geht ins Internet und wird dort verarbeitet. 

Das ist die totale Kontrolle, auf die Microsoft mit Windows 11 schon stark hinarbeitet, weil man Eure Daten perfekt analysieren kann. Denn nichts bringt offensichtlich aktuell mehr Geld, als Eure Daten (für Werbung) zu verkaufen.

Und für die Anbieter von „Cloud“-Leistungen, also Rechenleistung im Internet, allen voran natürlich Amazon, wäre das ein absoluter Traum. Ihr arbeitet nur noch mit den Ressourcen, die man Euch für ein monatliches Entgelt zur Verfügung stellt, habt keine Kontrolle mehr über die Geräte und Daten und Kozerne entscheiden was Ihr dürft. Und natürlich verraten sie Euch bei jeder sich bietenden Gelegenheit (1, 2). 

Wenn also alles läuft, wie geplant, gibt es in Zukunft wieder zwei Arten von „Computer“-Nutzern. Die, die Terminals bedienen, die ihnen sagen was sie dürfen und was nicht und die Nerds.

Letztere haben aber auch keine gute Zukunft. Denn die großen IT-Dienstleister wissen natürlich, dass die Sache noch einen Haken hat. So lange man (günstig) Bauteile für Computer kaufen kann, könnte sich theoretisch jede und jeder einen bauen. Siehe mein Appell. 

Das muss um jeden Preis verhindert werden. Und dafür setzt man ein, wovon man so viel hat, dass man sich alles leisten kann: Geld. 

Für die Unternehmen ist das logisch, denn wenn man mehr als genug Geld hat, will man etwas, das mehr wert ist. Und das ist Macht. Die Macht über die Daten und die Menschen. 

Also haben die IT-Unternehmen angefangen, erstmal alles an Arbeitsspeicher (RAM) zu kaufen, was sie kriegen können. Das Ergebnis ist eine Preisexplosion beim RAM. Und gekauft wird nicht, was verfügbar ist. Über langlaufende Verträge werden einfach die gesamtem Produktionskapazitäten „gekauft“. Noch bevor überhaupt klar ist, wie viel und in welcher Art man braucht, kaufen diese Unternehmen einfach alle Kapazitäten, damit für die „normalen“ Menschen nichts mehr bleibt.

Das gleiche kann man schon eine Weile bei Grafikkarten beobachten. Angeblich für KI, was Schwachsinn ist, weil für Rechenzentren sind Grafikkarten schlicht falsch konzipiert. Der Energiehunger und die Wärmeentwicklung ist zu hoch, ebenso der Platzbedarf. Man braucht bestimmte Chips, die allerdings von dem größten Hersteller von Grafikkarten hergestellt werden, nämlich Nvidia. NVidia wiederum ist aber massiv in KI investiert, so stark, dass es sich lohnt, gleichzeitig Geld an die Unternehmen zu zahlen und sich von ihnen bezahlen zu lassen. 

Damit haben wir schon mal sichergestellt, dass Ihr keinen Arbeitsspeicher für eigene PCs bekommt und auch keine Grafikkarten zum Spielen. Allerdings gibt es Prozessoren mit eingebauter Grafik, zum Arbeiten reicht das alle Mal. Und es muss ja nicht immer das modernste Ram, DDR5 sein, vielleicht reicht auch DDR4, dass reichlich auf dem Gebrauchtmarkt zu finden ist. 

Also muss noch verhindert werden, dass Ihr selber Daten speichern könnt. Kein Problem, man kauft eben die gesamten Produktionskapazitäten der Hersteller von Festplatten. Ihr sollt Euch wenn überhaupt ja nur die kleinsten aller Speicherplatten kaufen können, die schon jetzt absurd teuer sind. Eigentlich sollt Ihr ja alles in der Cloud speichern, wo es dann kontrolliert (Microsoft), verwertet (für KI) und monatlich bezahlt wird (AWS). 

Das Ganze findet derzeit in einem atemberaubenden Tempo statt, so das ich mich frage, ob meine Warnung nicht eh schon zu spät kam. Ich beobachte die Preise schon eine Weile und nehme an, dass auch die Preise für Gebraucht-Computer und Bauteile in der nahen Zukunft massiv steigen werden.

Was es bräuchte, wäre eine wirksame Politik. Die das explosionsartige Wachstum von Rechenzentren genauso einfängt, wie das Ausnutzen von Monopolen oder Oligopolen zum Nachteil der Menschen. Es muss nicht nur ein Grundrecht auf Internet geben, sondern vor allem ein Grundrecht auf nicht zu kontrollierende Computer, mit denen Ihr ins Internet könnt. Auf denen Ihr schreiben und speichern könnt, was nicht z. B. über das Strafrecht verboten ist. Statt der Willkür von Unternehmen ausgeliefert zu sein. 

Wenn ich aber nach Berlin oder Brüssel schaue: Gerade auch die Ansätze zu digitaler Souveränität, mit der sich auch Staaten von den USA und deren Marktmacht emanzipieren müssten, gerade auch im Bereich der Endnutzerinnen und Endnutzer ist da einfach viel zu wenig. Ich glaube das liegt daran, dass Politiker*innen oft einfach nicht verstehen was passiert – und Beratung nur von Lobbyisten bekommen, die von genau den Firmen bezahlt werden, die gerade dabei sind, die Uhr massiv zurück zu drehen.

Das macht mir große Sorge. 

Und Ihr müsst nicht mir glauben. Nutzt eine Suchmaschine Eures Vertrauens, schaut auf Youtube, die Zeichen sind überall…


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