Warum Ihr einen PC braucht
Das hier ist der erste Teil eines Zweiteilers, mit dem ich Euch noch mal komprimiert darüber informieren möchte, warum Ihr einen eigenen PC braucht und, dann im zweiten Teil, was Ihr damit machen könnt und sollt.
Um es ein bisschen spannender zu machen, fange ich mal damit an, wo wir herkommen, wo wir stehen und wo wir hin wollen. Falls Euch das zu langwierig ist, scrollt einfach runter zu „Was Ihr wollt“.
Fast alles, was in den zwei Artikeln steht, findet Ihr schon im Blog. Ich wollte es nur einfach noch mal zusammenfassen – und wenn Ihr Fragen habt, fragt gerne.
Wo wir her kommen
Die Älteren unter Euch erinnern sich vielleicht noch: Früher waren Computer teuer, schwer und vor allem kompliziert. Selbst wenn man einen gekauft hat, brauchte man oft Hilfe, um die Betriebssysteme zu installieren. Ja Plural, weil man damals zum Beispiel erst MS-DOS und darauf aufbauend Windows installieren musste.
Wollte man mehr als ein Piepen hören, musste man eine „Soundkarte“ einbauen und installieren. Wollte man eine neue Maus benutzen, musste man die nicht nur einstecken, sondern auch einen „Treiber“ installieren. Und so weiter und so fort. Viele, die sich an Computer heran trauten, brauchten einen Nerd im Freundeskreis, der dabei half.
Das ganze war auch nicht sonderlich stabil: alles stürzte immer mal wieder ab und nicht alle Komponenten funktionierten mit allen. Dafür aber gab es eine nahezu grenzenlose Freiheit im Umgang mit den Komponenten, in Abhängigkeit vom Geld das man investieren wollte und der Zeit, die man zu opfern bereit war.
Das Ganze wurde mit Windows 95 erst so richtig besser. Zunächst funktionierte „plug&play“ erstmals richtig und man musste nicht mehr getrennt DOS und Windows installieren. Und auch wenn gerade Windows 95 für spontane Fehler, liebevoll „Blue Screen of Death“ genannt, berühmt war, ging es in die richtige Richtung. Plus: Die Bauteile für Computer wurden immer billiger. Computer waren bereit, in alle Wohn- und Arbeitszimmer einzuziehen.
Über die verschiedenen Iterationen wurde das Meiste immer Besser. Auf Windows 95 folgte 98 und einiges mehr, bis wir bei Windows 10 waren, dass das „Letzte Windows“ sein sollte. Computerbauteile waren so billig, dass auch Notebooks mittlerweile zu günstigen Preisen mit guten Teilen verfügbar waren. Immer mehr Leute tauschen also die schweren und großen PC-Gehäuse und Monitore gegen Notebooks. Mit dem immer weiter verbesserten Office (dann Office 365, heute CoPilot-App) wurde fast jede Schülerin und fast jeder Schüler groß. Alles war gut, weil auch die Preise stark fielen.
Wo wir sind
Leider passierten dann zwei Dinge, die eigentlich unabhängig sind, aber sich gegenseitig befeuern. Zum einen wollten die Firmen, die uns die Hard- und Software verkauften, mehr Geld. Am Liebsten dauerhauft, nicht mehr Einmalzahlungen. Geboren waren die „Subscription“-Modelle, bei denen man Software (oder auch Medien) nicht mehr kauft, sondern nur noch mietet. Spötter sagen, dass 365 in Office deutete darauf hin, dass man 365 Tage im Jahr dafür bezahlen muss.
Parallel dazu kam „Cloud“ auf. Cloud heißt ja nichts anderes, als das man Dienste auf Servern nutzt. Zunächst Speicherplatz, dann immer mehr auch Rechenleistung. Natürlich war auch Microsoft vorne dabei und hat viel versucht, Euch dazu zu bewegen Eure Daten in der eigenen Cloud („Onedrive“) zu speichern. Aber auch Google, Apple und andere spielten hier mit. Natürlich alles super günstig, damit man sich erst mal dran gewöhnt.
Und natürlich hat der Anbieter der Cloud den vollen Zugriff auf alle Eure Daten. Damit analysieren sie Euch, um Euch noch mehr Werbung einzupielen. Eure Daten, bzw. die daraus abgeleiteten Dokumente sind echtes Geld wert. Nicht von nichts wird Windows 11 immer mehr zu einer einzigen Werbefläche. Eure Daten werden aggregiert, analysiert, verkauft. Und wenn Ihr den Konzernen dumm kommt, ziehen sie Euch den Stecker. Nicht umgekehrt.
Das ist aber noch nicht alles: Ich erwähnte gerade Medien. Das es kaum noch Musik und Filme auf Datenträger zu kaufen gibt, geschweige denn Geräte zum Abspielen, ist ein Ausdruck des Streaming-Wahn. Keine der Medien aus dem Streaming gehört Euch, Ihr mietet nur das Recht sie abzuspielen. Und das geht mittlerweile soweit, dass z. B. Nintendo Eure Spiele gar nicht mehr auf die Speicherkarten packt oder Sony, die einfach gleich alles in die Cloud schieben wollen.
Wo wir hinsteuern
Die logische Fortsetzung ist, dass man Euch eigentlich auch von der „Last“ des eigenen Computer befreien will. Microsoft bietet das schon eine Weile an, Größen wie Jeff Bezos träumen davon. Die Idee dahinter: Ihr habt nur noch eine kleine Kiste, die Euch mit dem Internet verbindet und das Bild darstellt sowie Eingaben entgegen nimmt. Alles andere, das eigentliche Berechnen von Daten, das Speichern von Daten, eigentlich alles findet in der „Cloud“, also auf den Severn der Anbieter statt. Und natürlich auch unter deren Kontrolle – mit Folgen die so weitreichend sind, dass kaum jemand wagt, darüber nachzudenken.
Denn was passiert, wenn Microsoft Euch Euren Account sperrt? Ihr könnt nicht mehr arbeiten, Eure Daten sind verloren. Einen Rechtsweg gibt es bei den vor allem amerikanischen Platzhirschen nicht wirklich. Das geht soweit, dass auf „Knopfdruck“ und den Willen der amerikanischen Regierung Ihr komplett vom digitalen Leben abgeschnitten werden könnt.
Natürlich kommt jetzt wieder das übliche „Ich hab doch nix zu verbergen“ oder „Warum sollte mich das treffen“. Das Problem ist: es geht nicht darum, ob Ihr was zu verbergen habt. Es geht darum, dass Euer digitales Leben nicht per se andere etwas angeht. Aber noch schlimmer ist das, was Ihr auf dem Screenshot seht: Eine Nutzerin des US-Netzwerks Bluesky wird dort als mögliches Mitglied einer angeblichen Terror-Organisation gebrandmarkt. Natürlich ohne Rechtsweg und ohne Wissen, warum. Stellt Euch mal vor, wie wenig es braucht um von „könnte Mitglied sein“ zu „darf US-Dienste nicht mehr nutzen“ zu kommen.
Zunehmend haben also, vor allem amerikanische, Computerriesen wie Microsoft, Google, Amazon und andere nicht nur Eure Daten, die sie nach eigenen Interessen auswerten und verkaufen.
Dazu kommt, dass Ihr nichts mehr besitzen sollte: Medien (siehe oben) nur noch im Stream, Software nur noch gemietet, Hardware am Besten gar nicht mehr. Und um das Bild dann komplett zu machen, soll moderne Technik Euch noch möglichst gut identifizieren.
Eingeführt als „Jugendschutz“ soll geregelt werden, wer im Internet was darf. Möglichkeiten, im Internet unerkannt zu sein, wie VPN, sollen verboten werden und am Besten muss gleich ein digitaler Ausweis her.
Wir steuern also auf ein komplett überwachtes Internet zu, in dem Ihr Euch nicht mehr unkontrolliert bewegen dürft und jederzeit identifizierbar seid. In dem Eure Daten liegen und der Willkür eines Unternehmens unterliegen, das entscheidet was Ihr dürft und was nicht und die gleichen Unternehmen wollen nicht nur Zugriff auf Eure Daten, sondern auch auf Eure „Computer“.
Was Ihr wollt
Neben digitaler Souveränität, die im zweiten Teil eine wesentliche Rolle spielen wird, wollt Ihr vor allem eines: Einen eigenen Computer!
Am Besten einen Desktop, den Ihr erweitern / ausbauen / umbauen könnt. Aber zur „Not“ macht es ein Notebook natürlich auch. Das alles muss nicht das Neuste, Beste, Geilste sein. Auch günstige gebrauchte Geräte oder „refurbished“, also überarbeitet von Händlern, kann gut genug sein. Eine eigenen Monitor, einen eigenen Drucker (aber bitte den dann ohne Patronen, die nur mit Cloud arbeiten). Tastatur und Maus.
Ihr wollt Geräte haben, die Ihr unter Kontrolle habt und es könnte durchaus sinnvoll sein, jetzt was zu kaufen. Hintergrund ist, dass derzeit die Preise für Computerteile stark steigen. Schuld wird hier vor allem der KI gegeben, aber es gibt ein grundsätzliches Interesse, dass Computer wieder wie früher so teuer werden, dass sie sich nicht jeder leisten kann – und dann in die Cloud ausweichen muss. Mag wie eine Verschwörungstheorie klingen, aber wenn Ihr Euch mal damit beschäftigt, werdet Ihr sehen, dass Anbieter von Cloud-Diensten wie Amazons AWS.
Übrigens, was Speicher angeht, solltet Ihr Festplatten, vor allem in Notebooks nur so weit vertrauen, wie Ihr ein Klavier werfen könnt. Ihr solltet bei großen Datenmengen wie Euren Videos, Eurer Musik, Euren Fotos und so weiter durchaus auch mal über die Anschaffung eines NAS nachdenken. Die sind auch erstaunlich günstig und einfach zu bedienen geworden und richtig konfiguriert bieten sie auch eine höhere Datensicherheit. Königsklasse ist, wenn Ihr 2 kauft, eines als Datenspeicher und eines zum Backup. Und Göttlich wird es, wenn Ihr das Backup bei Freunden abstellt – falls Eure Bude mal abbrennt.
Wichtig ist, dass Ihr das jetzt macht, also in der näheren Zukunft. Weil zu erwarten ist, dass das Angebot in der Menge deutlich runter, dafür in den Preisen aber deutlich hoch geht. Es ist dann im zweiten Schritt wichtig, dass Ihr Euch zukunftssicher aufstellt, vor allem, was Software angeht. Dazu kommen wir dann im zweiten Teil, das hier reicht vermutlich fürs Erste mehr als aus 😉
P.S: Apple ist keine Lösung. Zwar ist die Software weniger invasiv, dafür bringt Apple aber jedes Jahr ein neues Betriebssystem, dass Ihr nutzen müsst – sonst gibt es recht schnell keine Updates mehr. Darüber steuert Apple aber auch, wann Euer Computer nicht mehr nutzbar ist. Zudem ist Apple dafür bekannt, dass deren Geräte kaum aufrüstbar oder reparierbar sind – weil Apple beim Verkauf an Euch richtig zulangt, wenn Ihr z. B. eine größere Festplatte oder mehr Ram haben wollt.
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