Wenn ich mal Kanzler, Kaiser, König oder Königin bin…

Wenn ich mal Kanzler, Kaiser, König oder Königin bin…

Ein Rant: 

Es gibt ein paar Dinge, die mich politisch richtig ansicken. Zum Beispiel, wenn wir unsere Gesetze einseitig zum Vorteil von juristischen Personen ausgestalten und nicht zum Wohle der Menschen. Profit first, Menschen second. 

In solchen Momenten denke ich manchmal an Rio Reiser und frage mich…

Wie es wäre, wenn ich nicht der wäre
Der ich bin
Sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin
Ich denk‘ mir, was der Kohl [Merz] da kann
Das kann ich auch

So einen Moment hatte ich diese Woche. Vielleicht ist es auch mein Autisten-Brain, dass mir da in meine sonst übliche Gelassenheit reinfunkt, aber sowas ärgert mich:

Ich muss absehbar nach West-Spanien. 

Richtig West. 

So West, dass ich zwar noch rausfinden kann, wie ich mit dem Zug hin käme, aber mehr als einen Tag unterwegs wäre – und es mir unmöglich ist, die Tickets zu buchen.

Und eine Reisedauer von mehr als einem Tag pro Richtung ist jetzt leider auch nicht so richtig cool. 

Auto ist auch keine Alternative: Knapp 2.000km bedeuten 20 Stunden reine Fahrtzeit – mit Pausen wäre ich also eher bei 2 Tagen. 

Bleibt nur Fliegen.

Jetzt bin ich kein Freund von Billigfliegern und freue mich, wenn ich z. B. bei der Lufthansa auch direkt die CO2-Kompensation buchen kann. Wer aber schon mal Flüge gebucht hat weiß: Wenn Du nicht sofort zahlst und wenn du sogar stornieren können möchtest, wird es richtig teuer. Du bist also quasi gezwungen der Fluggesellschaft für x Monate Geld zu leihen, bei mir fast ein halbes Jahr. Und Du bist gezwungen, den Flug zu nehmen. 

Gut, das mit dem Stornieren ist jetzt so ein Ding. Denn im konkreten Fall hat die Lufthansa einfach mal beschlossen,  den Flug zu streichen.

Mit „ehrlichem Bedauern“.

Diese Mail ist eine solche dreiste Frechheit, dass ich mich echt Aufrege. Denn eigentlich gilt: „Verträge sind zu halten“. Man hat mir ein Angebot gemacht, ich habe es angenommen, damit haben wir einen wirksamen Vertrag, der „Zug um Zug“ (oder Flug um Flug?) zu erfüllen ist. Ich habe „gezogen“ und gezahlt, jetzt ist die Luftfahrtgesellschaft dran.

Aber nein.

Wir erlauben Konzernen wie der Lufthansa, ihre Machtposition dem Kunden gegenüber auszunutzen. Denn was glaubt Ihr was es den Konzern interessiert, wenn sich Eure Pläne ändern und Ihr deswegen stornieren müsstet? Das ich allerdings nicht mehr bezahle, um stornieren zu dürfen bedeutet also natürlich nicht, dass die Lufthansa nicht einfach stornieren darf, egal, was ich zahle. 

Das ist aber noch nicht der Gipfel der Dreistigkeit: Denn die Lufthansa hat nicht nur diesen Flug gestrichen, sondern gleich die ganze Route. Eine Alternative, und ich mache keinen Witz, wäre ein Flug über Doha, Katar. Das wird mir auf den einschlägigen Portalen ernsthaft angeboten. Schaut bitte mal wo der Westen Spaniens liegt, Doha und Deutschland. 

Statt aber jetzt mein Geld zu erstatten, erdreistet sich die Lufthansa, von mir zu verlangen, dass ich beantrage(!) mein Geld zurück zu bekommen.

Und schreibt am Ende dieses Prozesses, dass das Geld „demnächst“ erstattet wird. 

Stellt Euch mal vor, ich buche einen Flug und schicke der Lufthansa einen Link unter dem sie beantragen kann, dass sie das Geld für den Flug bekommt und am Ende bekommt sie den unverbindlichen Hinweis, dass das Geld demnächst kommt.

Das wir derartige Praktiken in Deutschland erlauben und die Fluggesellschaften dann noch mit satten Steuervorteilen pimpern, lässt mich echt wütend werden. Da platzt mir wirklich die Hutschnur. Ich erwarte, dass für alle Vertragsparteien die gleichen Regeln gelten. Und das bedeutet, dass wenn ein Vertragspartner vertragsbrüchig wird oder sich mehr Rechte heraus nimmt, als dem anderen in dieser Oligopolstellung zu erwarten, das auch durch eine „Strafe“ ausgleichen muss: Eigentlich müsste mir die Lufthansa einen Zuschlag von 100% zahlen, weil ich jetzt eine neue Verbindung suchen muss, sie aus Lust und Laune heraus meinen Vertrag hat platzen lassen und das sie das Geld sofort und unverzüglich zu erstatten hat, muss ich ja wohl nicht sagen.

Die Lufthansa ist hier nur ein Beispiel. Autohersteller, Mobilfunkanbieter, Versicherungen, die Liste ist schier endlos. Und immer wird der Konzern geschützt, nicht der Mensch. Und das bringt mich zu dem obigen Zitat. 

Denn wenn ich was zu sagen hätte, wäre das eines der ersten Dinge, die ich angehen  würde. 

 


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