Wie sehr hasst die Union (junge) Menschen?

Wie sehr hasst die Union (junge) Menschen?

Eine sehr spannende Frage dieser Tage ist, wie sehr die Union eigentlich normale Menschen verabscheut. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass wir für unseren Kanzler nur eine möglichst effizient nutzbare Ressource darstellen mögen. Schaut man auf seine Vita, darf das auch nicht verwundern.

Es ist aber eben nicht nur er, die Feindlichkeit den normalen Menschen gegenüber zieht sich durch die Union durch. Jüngster Auswuchs ist die Forderung der „Mittelstandtsunion“: „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“

Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“. Vorgeschlagen wird, das Recht nur noch bei einer besonderen Begründung zu gewähren. Dazu zählen für die Mittelstandsunion etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und Weiterbildungen. Die Vorsitzende Connemann verwies auf den Fachkräftemangel. Wer mehr arbeiten könne, sollte mehr arbeiten. Zudem dürfe freiwillige Teilzeit nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert werden. (Deutschlandfunk)

Was dem zu Grunde liegt, macht schon der Titel deutlich: „Lifestyle-Teilzeit“, also das Ihr was vom Leben habt, ist der Union ein Dorn im Auge. Wenn man sich das jetzt mal genauer anschaut erkennt man, dass es sich dabei um eine „Lösung“ für ein Problem handeln soll, an dem vor allem die Union (gerne mit der FDP) in Deutschland Schuld ist, wie kein Zweiter. 

Fangen wir an mit der offensichtlichen Unwahrheit, bzw. Realitätsverwischung:

Freiwillige Teilzeit würde über den Sozialstaat abgesichert: Das ist spannend, denn das gilt nur dann, wenn man entweder so wenig in Teilzeit verdient, das man staatliche Unterstützung braucht oder so wenig Rente bekäme. Und es suggeriert: wer Vollzeit arbeitet, braucht das nicht. Was natürlich bewusst die Realität leugnet, in der unsere Regierung es Unternehmen erlaubt hat, so geringe Löhne zu zahlen, dass heute schon sehr viele Vollzeiterwerbstätige und Rentner*innen auf staatliche Hilfe angewiesen sind.

Kommen wir zum demographischen Wandel: Ja, Deutschland überaltert, die Gesellschaft schrumpft. Und die Prognosen gehen davon aus, dass selbst wenn wir die Geburtenrate steigen und positive Zuwanderung (also mehr Ein- als Auswanderung) erleben, die Gesellschaft die kommende Jahrzehnte nicht wächst. Schuld daran? Nun für die familienfeindliche Politik allen voran die Union und die FDP. Warum wollen junge Menschen denn keine Kinder mehr kriegen, wenn sie wissen, dass sie sich niemals ein Haus leisten können werden, das sie auch in einer Partnerschaft gemeinsam Vollzeit arbeiten müssen, das Bildungssystem vor die Wand gefahren und dem rechten Aufschwung nichts entgegengesetzt wird? Und dafür, dass gut gebildete Arbeitnehmer aus dem Ausland einen Bogen um Deutschland machen? Die gleichen. Und wer verhindert die Integration und Ausbildung von Menschen die zu uns kommen? Wieder die gleichen. 

Tatsächlich steckt aber vermutlich im Kern ganz etwas anderes dahinter:

Wir haben es Union und FDP erlaubt, über Jahrzehnte eine Politik aufzubauen, die Unternehmen und Reichtum bevorzugt und den normalen Menschen zu einer willfährigen Masse von Arbeitnehmern formt. Und lasst Euch bitte nicht erzählen, das wäre der Markt, also das Wirtschaftssystem an sich.

John M. Kaynes, ein sehr berühmter früher Vater der modernen Wirtschaftswissenschaften, hat 1960 prognostiziert, dass der technische Fortschritt in entwickelten Staaten zu einer 15-Stunden-Woche führen würde. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er unrecht hat. Warum also sind wir da nicht?

Die Antwort ist erschreckend simpel: Die herrschende Klasse aus Kapital und Politik hat früh erkannt, dass eine glückliche und produktive Gesellschaft, wobei Produktiv durchaus auch große Anteile von Kultur enthält, mit genug Freizeit und Bildung eine erhebliche Gefahr für jene darstellt, die Macht ausüben wollen. Das wiederum führt dazu, dass wir in der Gesellschaft auch mehr und mehr „Bullshit-Jobs“ haben. Und wer sich fragt, warum er trotz der verbesserten Effektivität von Maschinen und Computern nicht weniger, sondern eher mehr arbeitet, der ist da was auf der Spur. 

Wer sich intensiver damit beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Bullsh*t Jobs“ von David Graeber ans Herz gelegt oder die Kurzfassung in diesem Video:

Die Zusammenfassung ist aber: Es ist politisch gewollt, dass wir alle möglichst viel und möglichst lange arbeiten. Es ist nicht gewollt, dass z. B. Digitalisierung dazu führt, dass Ihr Euren Job in 2 statt 5 Tagen erledigt und dabei das gleiche verdient – weil Ihr ja das gleiche leistet. Dafür hat man viel zu viel Angst davor, dass Menschen Zeit haben.

Oh, höre ich Euch sagen, Musik machen, Bilder malen, Gedichte schreiben ist aber nicht produktiv! Das trägt nicht zum Wirtschaftswachstum bei!

Mal genommen, das wäre so, es trüge nichts bei: Wieso ist eigentlich das Wirtschaftswachstum das Maß aller Dinge, eine Fiktion unendlichen Wachstums bei endlichen Ressourcen und nicht zum Beispiel die intellektuelle Weiterentwicklung oder ein Happy-Index?

Ich muss aber gar nicht so weit abschweifen. Das unser Wirtschaftssystem nicht das belohnt, was am Meisten zum gesellschaftlichen Erfolg beiträgt, ist offensichtlich. Es ist nämlich die Tatsache, dass die Menschen, die der Gesellschaft den meisten Nutzen stiften, wie Mitarbeitende in Kindergärten, Lehrende oder auch Müllwerker deutlich weniger Einkommen haben als jene, die Politik treiben oder Vermögen verwalten. Und es dürfte relativ klar sein, wer mehr zur Gesellschaft beiträgt. 

Betrachten wir also, welche Berufe wir finanziell am stärksten belohnen und bestrafen, stellen wir fest, dass die Einkommensstruktur sehr deutlich macht, was die deutsche Politik bevorzugt. Und die deutsche Politik vertritt schon seit Jahrzehnten vor allem die Interessen großer Unternehmen und Kapitaleigner. Von kurzen, manchmal die Augen öffnenden „Eskapaden“ abgesehen, wenn die SPD sich erinner, wofür das S steht oder wenn die Grünen mal etwas wirklich sinnvolles durchsetzen konnten.

Wenn Ihr also solche Reden hört wie von Merz, dass Ihr mehr und länger arbeiten sollt, man Euch mal wieder die Lüge erzählt, für das Sozialsystem wäre kein Geld da und für Bildung sowieso nicht, dann macht es wie die alten Römer und fragt einfach: Qui Bono – wem dient es?

Und nein, dafür muss man kein Verschwörungstheoretiker sein. Eine Verschwörung setzt ein Handlung im Verborgenen voraus, das haben CDU und FDP gar nicht nötig. Weswegen sie aber halt auch nicht wirklich gegen die A*D vorgehen wollen, denn deren Wirtschaftspolitik spielt den gleichen Menschen in die Hände, wie die eigene. Halt  nur nicht in Eure. 

 


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